Prozess um blutige Selbstjustiz im Sinti-Milieu in Duisburg

An dieser Ampelkreuzung in Homberg kam es zu dem brutalen Verbrechen. Foto: Blazejewski
An dieser Ampelkreuzung in Homberg kam es zu dem brutalen Verbrechen. Foto: Blazejewski
Foto: NRZ
Nach einer Messerstecherei an der Kreuzung Duisburger- und Moerser Straße in Homberg im Sommer 2011 muss sich ein zur Tatzeit 34-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten. Hintergrund der Tat: Das Opfer, ein 20-jähriger Moerser, soll einer Elfjährigen nachgestellt haben.

Duisburg. Wie in einem billigen Action-Streifen ging es am Abend des 8. Juli 2011 an der Kreuzung Duisburger- und Moerser Straße in Homberg zu. Als ein Wagen an einer roten Ampel stand, sprang ein Mann aus dem dahinter haltenden Fahrzeug und stürmte mit gezogenem Messer auf den Fahrer des Transporters, einen 20-jährigen Moerser, los.

Er riss die Fahrertür auf und stach immer wieder auf das Opfer ein, das schwer verletzt wurde. Wenige Stunden später stellte sich der 34-jährige Täter aus Viersen der Polizei. Seit Dienstag muss er sich wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht verantworten.

Der Angeklagte gestand die blutige Tat. Allerdings habe er das Opfer nicht töten wollen, sondern ihm lediglich eine Verletzung im Gesicht beibringen wollen, so der 34-Jährige. Das sei bei den Sinti ein Zeichen für einen Mann, der sich unehrenhaft verhalten habe.

Der 20-jährige Moerser soll der elfjährigen Tochter seiner nach Sinti-Art angetrauten Frau nachgestellt haben. Alle Versuche, dies auf legalem Wege zu unterbinden, seien gescheitert, so der Angeklagte. „Ich war bei der Polizei, wir haben eine einstweilige Verfügung erwirkt.“ Doch der Moerser habe sich nicht daran gehalten.

„Ich wollte meine Wut abreagieren"

Nicht einmal eine Schlägerei, die wie ein Duell zwischen den beteiligten Familien verabredet wurde und bei dem der Bruder des Mädchens gegen den lästigen Verehrer antrat, konnte den Konflikt beenden. Als er das Auto des 20-Jährigen am Tattag wieder mehrfach in der Nähe seiner Wohnung in Viersen gesehen habe, sei ihm der Kragen geplatzt, so der Angeklagte. Er verfolgte den Wagen, holte ihn in Moers ein und stach zu. „Ich wollte meine Wut abreagieren. Als ich dann das viele Blut sah, habe ich aufgehört.“

Der 20-Jährige erinnerte sich, dass plötzlich die Fahrertür aufgerissen wurde und der Angeklagte auf ihn einstach. „Er hat dabei geschrien, dass er mich umbringen werde.“ Von der Sinti-Sitte mit dem Schandmal will der Zeuge angeblich nichts wissen. Um so erstaunlicher seine Aussage, dass er vor allem versucht habe, sein Gesicht zu schützen und es sogar vom Angreifer abwandte. Der 20-Jährige trug zahlreiche Schnittverletzungen an Armen, Brust und Rücken und bis heute deutlich sichtbare Narben an Stirn und Kopf davon.

Für das Verfahren sind fünf weitere Tage geplant.

 
 

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