Prozess gegen mutmaßlichen Geldeintreiber in Duisburg eröffnet

Bodo Malsch
Das Amts- und Landgericht in Duisburg.
Das Amts- und Landgericht in Duisburg.
Foto: Stephan Eickershoff
Der Prozess vor dem Amtsgericht gegen einen 34-Jährigen hat unter großen Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Ihm werden brutale Geldeintreiberei und Drogengeschäfte vorgeworfen. Bisher konnte ihm kaum etwas nachgewiesen werden. Doch jetzt gibt es einen Kronzeugen.

Duisburg. Unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen begann am Mittwoch vor dem Amtsgericht am König-Heinrich-Platz der Prozess gegen einen 34-jährigen Türken aus Rheinhausen. Justizwachtmeister und Polizisten in Zivil sicherten den Saal. Der Angeklagte musste in Fußfesseln auf der Anklagebank Platz nehmen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm eine lange Liste von Straftaten vor: Mehrfache Fälle der Freiheitsberaubung, der gefährlichen Körperverletzung, der Nötigung und Bedrohung sowie Widerstand, Beleidigung und Verstoß gegen das Waffengesetz listet die Anklageschrift auf.

Der muskulöse 34-Jährige mit dem verwegenen Kurzhaarschnitt steht bereits seit einiger Zeit in Verdacht, in Rheinhausen in kriminelle Geschäfte diverser Art verstrickt zu sein. Unter anderem soll er als Geldeintreiber für Geschäftsleute tätig gewesen sein, die einen Zivilprozess nicht für ein geeignetes Mittel hielten um Außenstände beizubringen. Zu beweisen war dem Mann bislang allerdings herzlich wenig. Doch nun gibt es einen „Kronzeugen“, der den 34-Jährigen schwer belastet.

Der ebenfalls 34 Jahre alte Türke soll bis April ein enger Vertrauter des Angeklagten gewesen sein. Doch seine Ankündigung, er wolle nicht mehr mitmachen, soll ihn in den Augen des bisherigen Chefs zum Verräter und zum Ziel einer Strafaktion gemacht haben.

Gegen Festnahme gewehrt

Unter einem Vorwand sei er in eine Gaststätte in Hochfeld gelockt worden, berichtet der Zeuge. Dort habe ihm der Angeklagte schwere Vorwürfe gemacht. „An der Türe wurden schon Knüppel bereit gestellt.“ Er habe gewusst, was ihm blühe. Im letzten Moment habe er auf die Straße rennen können und um Hilfe gerufen. Mit einem Messer in der Hand habe ihn der Angeklagte verfolgt. Sein Versuch, mit einem Taxi zu fliehen, scheiterte, so der Zeuge. Zuletzt flüchtete sich der Mann auf das Dach einer Moschee und rief von dort aus die Polizei an.

Während der unter Polizeischutz stehende Zeuge den Angeklagten schwer belastete, von brutaler Geldeintreiberei und Drogengeschäften berichtete, redete er um seine eigene Rolle bei den kriminellen Machenschaften herum. Der Angeklagte, der am Mittwoch zu den Vorwürfen schwieg, quittierte die Aussage des früheren Freundes nur gelegentlich mit einem bösem Grinsen.

Nach Angaben des Zeugen soll der Angeklagte bei anderer Gelegenheit kurz zuvor einen Mann in einem Keller in Hochfeld regelrecht gefoltert haben. Die Anklage geht außerdem davon aus, dass er sich bei einer Verkehrskontrolle gegenüber einem Polizisten aufspielte, ihn bedrohte und sich zuletzt mit Gewalt gegen seine Festnahme zu wehren versuchte.

Für das Verfahren sind in den nächsten Wochen fünf weitere Verhandlungstage vorgesehen.