Prozess gegen Alltours-Chef Willi Verhuven nach 20 Minuten ausgesetzt

Umrahmt von seinen Verteidigern: „Alltours“-Chef Willi Verhuven auf der Anklagebank.
Umrahmt von seinen Verteidigern: „Alltours“-Chef Willi Verhuven auf der Anklagebank.
Foto: Stephan Eickershoff
Der Prozess gegen den Geschäftsführer des Reiseanbieters Alltours, Willi Verhuven, ist erst einmal ausgesetzt. Zum Prozessauftakt am Mittwoch gab das Amtsgericht Duisburg dem Antrag der Verteidigung statt, die in dem Verfahren Gutachten eines Facharztes sowie eines Kfz-Sachverständigen beantragte.

Duisburg. Als Willi Verhuven um kurz vor halb zehn den Sitzungssaal 201 des Amtsgerichts betritt, sieht er sich einem akustischen Trommelfeuer ausgesetzt.

Die Kameras von einem Dutzend Fotografen klacken um die Wette, als sie den Chef des Duisburger Reiseunternehmens „Alltours“ auf seinem Weg zur Anklagebank unaufhörlich ins Visier nehmen. Diese Prozedur wird der 62-jährige Multi-Millionär erneut über sich ergehen lassen müssen: Das Hauptverfahren gegen Verhuven wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und fahrlässiger Körperverletzung wurde am Mittwoch ausgesetzt – nach nicht einmal 20 Minuten. Ein neuer Verhandlungstermin wird noch bestimmt.

Zweifel an den vorliegenden Gutachten

Richterin Oelze gab dem Antrag von Verhuvens Verteidiger Björn Gercke statt. Dieser hatte gleich zu Prozessbeginn die Zulassung von zwei ergänzenden Gutachten gefordert – eines von einem medizinischen Sachverständigen, eines von einem Kfz-Experten. Die Verteidigung begründete dies mit Zweifeln an den bisher vorliegenden Gutachten.

So sprach sie etwa dem von der Staatsanwaltschaft als Gutachter bestellten Mediziner die Fachkompetenz zur Feststellung der Verletzung ab. Bei der Beschreibung der Größe des Blutergusses, den sich der Polizeibeamte nach den Vorfällen am 21. März 2012 zugezogen haben will, sei es zu einer Verwechslung von Zentimetern und Millimetern gekommen.

Der Beschuldigte schweigt

Verhuven – gekleidet in dunklem Anzug, hellblauem Hemd, aber ohne Krawatte – lauschte ausschließlich den Ausführungen seines Rechtsvertreters. Mit Ausnahme der Bestätigung aller Angaben zur Person machte der in Kleve geborene und in Düsseldorf lebende Unternehmer von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Das galt auch für die Frage der Richterin nach seinen Einkommensverhältnissen. „Er lebt in geordneten Verhältnissen“, so Anwalt Gercke. Laut des „Handelsblatts“ soll Verhuven ein Privatvermögen von 600 Millionen Euro besitzen. Der Umsatz seines Konzerns im Jahr 2011 lag bei 1,32 Milliarden Euro. Für dieses Jahr wird eine nochmalige Steigerung erwartet.

Polizist landete auf Motorhaube 

Bei der Verlesung der Anklageschrift schilderte Oberstaatsanwältin Depping noch einmal die Vorfälle: Verhuven soll an besagtem 21. März um 9.05 Uhr einen Motorradpolizisten an der Schifferstraße umgefahren haben, der ihn an der Zufahrt zum Innenhafen hindern wollte. Eben dort liegt der Sitz des Unternehmers. Zunächst sei der Beamte (47) – seit nunmehr 31 Jahren im Polizeidienst und seit 1985 im Duisburger Präsidium tätig – noch einige Schritte zurückgewichen.

Verhuven sei trotz mehrerer Haltezeichen und -rufe des Beamten weitergefahren, habe ihn dann mit der Stoßstange getroffen, so dass der Polizist auf der Motorhaube des Mercedes landete. Eine Verletzung am Knie und eine zwölftägige Dienstunfähigkeit seien die Folge gewesen.

"Reue sieht anders aus"

Als die Richterin dann den Anträgen der Verteidigung stattgab, verließ Verhuven an der Seite seiner Anwälte lächelnd den Saal. Jegliche Nachfrage beantwortete er mit: „Nach Rücksprache mit meinen Anwälten möchte ich zum Verfahren nichts sagen.“ Erst nach mehrmaligen Nachhaken folgte: „Ich freue mich, dass so viel Familie und Freunde von mir hier waren.“

Sedat Kapusuz, der Anwalt des Polizisten, erklärte nachher mit Blick auf Verhuvens gestriges Auftreten: „Reue oder Einsicht zu zeigen und sich zu entschuldigen, sieht anders aus.“

 
 

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