Prozess fünf Jahre nach sexuellem Missbrauch eines 13-Jährigen

Der 40-Jährige muss sich vor dem Essener Landgericht veranworten.
Der 40-Jährige muss sich vor dem Essener Landgericht veranworten.
Foto: Oliver Müller NRZ

Duisburg/Essen.. Er täuschte, gab sich als Kaufhausdetektiv aus und missbrauchte im Essener Karstadt-Kaufhaus einen 13-jährigen Jungen aus Gladbeck. Perfide und hinterhältig.

Aber der Angeklagte aus Duisburg-Marxloh gibt ein Bild des Jammers ab. Psychisch krank und drogensüchtig ist der 40-Jährige, steht unter Betreuung. Jetzt will das Landgericht Essen prüfen, ob er untergebracht werden muss.

Fünf Jahre liegt die Tat zurück. Der 13-Jährige Gladbecker hatte sich am 17. Februar 2007 in der Multimedia-Abteilung umgesehen. Als er sie verließ, hielt ihn ein Mann an, der sich als Kaufhausdetektiv ausgab. Er beschuldigte den Jungen, gerade etwas geklaut zu haben. Das eingeschüchterte Kind forderte er auf, ihm zu folgen. Ins Treppenhaus des Parkhauses führte der Weg des falschen Detektivs. Dort forderte er den 13-Jährigen auf, seine Schuhe auszuziehen. Dann durchsuchte er die Hosentaschen des Kindes. Schließlich ließ er sich das Portemonnaie des Jungen geben, nahm den Schülerausweis heraus und behielt ihn.

Seine Rolle spielte er weiter. Er täuschte vor, mit der Polizei zu telefonieren, damit diese einen Streifenwagen vorbei schicke. Telefonisch gab er die Personalien des Jungen weiter. Blitzschnell schaltete er um, schlug dem Jungen mit der Hand in den Nacken. Danach missbrauchte er ihn sexuell.

DNA-Spuren am Körper des Opfers gesichert

Nach der Tat fuhr der Junge sofort nach Hause, erzählte seiner Mutter davon. Sie ging mit ihm zur Polizei. Mediziner sicherten am Körper des 13-Jährigen DNA-Spuren des Täters, leiteten mit einem Phantombild die Öffentlichkeitsfahndung ein. Den Täter fanden die Ermittler nicht. Auch die DNA-Datenbank lieferte keinen Treffer. Das änderte sich 2011, als die DNA erneut überprüft wurde und nach Duisburg-Marxloh führte. Der jetzt Angeklagte äußerte sich zunächst nicht. Vor der V. Strafkammer zeigte er sich am Freitag einsichtiger: „Ich kann mich nicht erinnern. Aber ich will es nicht abstreiten.“

Schnell ist den Prozessbeteiligten klar, dass der Angeklagte zunächst einmal psychiatrisch untersucht werden soll. Seit 2009 steht er unter Betreuung. Seit 2003 sind Halluzinationen bekannt. Er höre befehlende Stimmen, sagte er mal und wusste sie zu benennen: „Sie sagen, ich soll den Nachbarn alle machen.“

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