Provisorische Gedenkstätte für Loveparade-Opfer

Am Freitag, dem 24.12., richten Betroffene Bürger im Karl-Lehr-Tunnel in Duisburg eine provisorische Gedenkstätte ein für die 21 Opfer, die am 24. Juli 2010 bei einer Massenpanik während der Loveparade in Duisburg umkamen. (Foto: Eickershoff/WAZFotoPool)
Am Freitag, dem 24.12., richten Betroffene Bürger im Karl-Lehr-Tunnel in Duisburg eine provisorische Gedenkstätte ein für die 21 Opfer, die am 24. Juli 2010 bei einer Massenpanik während der Loveparade in Duisburg umkamen. (Foto: Eickershoff/WAZFotoPool)
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Eine provisorische Gedenkstätte mit 21 Kreuzen am Unfallort der Loveparade erinnert jetzt an die 21 Opfer vom Juli. Der Duisburger Aktivist Rolf Karling, der schon OB Sauerland mit Ketchup beworfen hat, hat sie Heiligabend errichtet.

Der Aktivist Rolf Karling, der mit der Ketchup-Attacke auf Oberbürgermeister Adolf Sauerland von sich reden machte, richtete eine provisorische Gedenkstätte am Unglücksort der Loveparade ein. Auf der Treppe an der Rampe im Karl-Lehr-Tunnel platzierte er Heiligabend zusammen mit Helfern 21 Kreuze mit den Namen der Opfer.

„Ich wollte einfach zeigen, dass es möglich ist, mit wenig Aufwand eine würdige Stelle zum Gedenken zu errichten“, sagt Rolf Karling. Das frostige Winterwetter schreckte ihn und seine Helfer nicht ab. Die Treppe wurde kurzerhand mit einem Maurerspachtel und einem Kehrfeger vom Schnee befreit, um die Kreuze auf den Stufen zu drapieren.

Abgesprochen war die Aktion nicht. „Die Maßnahme habe ich auf einem privaten Grundstück ohne Genehmigung des Eigentümer durchgeführt“, erklärt der Aktivist.

Rolf Karling geht aber nicht davon aus, dass den Eigentümer seine Aktion stört. „Ich glaube nicht, dass der Eigentümer Kurt Krieger ein Problem mit einer Gedenkstätte hat“, meint Karling. „Eher ist es ein Problem, dass die Menschen mit dem Anspruch auf ihn zugehen, dass die Gedenkstätte hierher gehört“, sagt er weiter.

Kurze Andacht an der Unglücksstelle

Wichtig ist für den Aktivisten aber, dass sie in der Nähe des Unglücksortes zu finden ist. „Die Menschen wird es immer an diesen Platz ziehen. Der Täter kommt auch immer zum Tatort zurück. Das gilt auch für die Opfer der Loveparade“, erklärt Rolf Karling.

Die Betroffenen hat Rolf Karling auf seiner Seite. Edith Jakubassa (44) kam am Heiligabend ebenfalls zum Karl-Lehr-Tunnel, um an der öffentliche Gedenkfeier im Anschluss an Karlings Aktion teilzunehmen. Die Mutter der 21-jährigen Marina, die bei der Massenpanik tödlich verunglückte, begrüßt, dass auf der Treppe eine Gedenkstätte eingerichtet wurde. „Für mich persönlich ist es nicht so wichtig, aber für viele andere hat es eine große Bedeutung“, sagt die Hombergerin. Sie legte zum Gedenken an ihre Tochter eine rote Rose am Unglücksort nieder.

Die kurze Andacht, die Pfarrer Jürgen Muthmann von der evangelischen Kirche Wanheimerort und Pater Hermann Olthof von der katholischen Karmel-Kirche am Innenhafen abhielten, bewegte Edith Jakubassa.

„Wahre Worte haben sie gefunden“, so die 44-Jährige. Dass die beiden Initiativen „Duisburg 21“ und „Never Forget“ überhaupt noch zwei Geistliche bekommen haben, ist ein Glücksfall.

Der Duisburger Stadtdechant Bernhard Lücking legte den beiden Gruppen Steine in den Weg. Mit der Begründung, dass nur eine ökumenische Andacht in Frage komme, verweigerte er die Teilnahme eines katholischen Geistlichen.

Kein Interesse an Gedenkfeier

Außerdem soll der Priester, der von den Initiativen gefragt wurde, gar kein Interesse an der Gedenkfeier gehabt haben. Das bestreiten die Vertreter von „Duisburg 21“ und „Never Forget“.

Sie hatten vor einigen Tagen noch mit dem katholischen Priester über den Ablauf der Andacht gesprochen. „Da hatte es nicht den Anschein, dass er kein Interesse hat“, sagt Kornelia Hendrix von „Never Forget“. Genau das Gegenteil soll der Fall gewesen sein.

„Ich musste nun zwei Wochen gegen den Widerstand der katholischen Stadtkirche ankämpfen, damit heute zwei Geistliche hier sind“, beklagt Gregor Dronski von „Never Forget“. Bei der Suche nach einem Vertreter der evangelischen Kirche half Lücking den Initiativen nicht. Stattdessen schlug er vor, dass die Organisatoren selber ein Gebet sprechen sollen. Rund 40 Menschen nahmen an der Gedenkfeier am Tunnel teil.

 
 

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