Protest gegen Alice Schwarzers Mercator-Professur an der Uni Duisburg-Essen

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Duisburg/Essen. Die Gastprofessur der bekannten Feministin und Publizistin Alice Schwarzer an der Universität Duisburg-Essen sorgt für Protest. Ihre Kritiker werfen ihr vor, auf einer populistischen und anti-islamischen Welle zu reiten.

„Gerhard Mercator war ein früher Protestant und als solcher Teil einer gesellschaftlich diskriminierten Religionsgemeinschaft. Heute adelt die Universität Duisburg-Essen in seinem Namen vor allem Personen, die sich durch abwertende Äußerungen gegenüber Muslimen hervorgetan haben“, kritisieren die Grüne Hochschulgruppe, der Islamische Studierenden Verein (ISV), der ev. Kirchenkreis Duisburg und das Anti-Rassismus Informations-Centrum.

Grüne Hochschulgruppe protestiert

Hinter der Ernennung der Feministin und Publizistin Alice Schwarzer zur Mercator-Professorin 2010, verdächtigt das Bündnis die Uni, mittels „populistischen Vorträgen“ in die Schlagzeilen geraten zu wollen. „Jedes Jahr verleiht das Rektorat den Titel der Mercator-Professur an Menschen, die sich durch Weltoffenheit und debattenanregende Beiträge in der Auseinandersetzung mit wichtigen Zeitfragen ausgezeichnet haben sollen“, sagt Alexander Blossert, Sprecher der Grünen Hochschulgruppe. In den vergangenen Jahren scheine allerdings ein Rechtsruck stattzufinden, wenn es darum gehe, Kandidaten zu finden.

„Necla Kelek etwa, die Mercator-Professorin des Jahres 2006, erkennt den Islam nicht als Religionsgemeinschaft an, sondern identifiziert ihn als das kulturelle System, dass für ihre eigene einstige Unterdrückung verantwortlich sein soll“, sagt die Sprecherin des ISV. Im vergangenen Jahr hat die Universität Peter Scholl Latour mit der Ehrenprofessur ausgezeichnet, der in seiner Vorlesung das Ende der weißen Weltherrschaft prophezeit haben soll. Heute tritt Alice Schwarzer zum ersten ihrer zwei Vorträge an der UDE ans Rednerpult.

Kritik an Schwarzer

„Frau Schwarzers Thesen über den Islam halten wir für kurzsichtig. Sie setzt sich weder sachkundig noch differenziert mit den muslimischen Identitäten in unserer Gesellschaft auseinander. Schwarzer tritt für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen ein. Indem sie das Kopftuch pauschal als Flagge des Islamismus bezeichnet, verweigert sie den Frauen, die es anlegen, eben dieses Recht“, erklärt das Bündnis. Damit widerspreche sie ihren eigenen Maximen als Frauenrechtlerin. Trotz aller Kritik an den Vorträgen - „Die Funktion der Gewalt im Verhältnis der Geschlechter“, (ausverkauft) und „Über Islam, Islamismus und Integration“ - sprechen die Kritiker Alice Schwarzer für ihre Verdienste im Kampf um die Frauenrechte viel Lob zu.

 
 

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