Projekt in Duisburg-Marxloh erhält Integrationspreis

Stolze Preisträger: Christine Bleks und Mustafa Tazeoglu von „Tausche Bildung für Wohnen“.
Stolze Preisträger: Christine Bleks und Mustafa Tazeoglu von „Tausche Bildung für Wohnen“.
Foto: WAZ FotoPool
Der gemeinnützige Verein „Tausche Bildung für Wohnen“ wurde am Dienstag mit dem Duisburger Integrationspreis ausgezeichnet. Neun junge Menschen wollen ein Jahr lang im Stadtteil benachteiligten Kindern helfen, sechs von ihnen dürfen dafür kostenlos in einer Wohngemeinschaft leben.

Duisburg.. Ein außergewöhnliches Projekt mit einer simplem Idee: „Tausche Bildung für Wohnen“ will ein Mehrwert für Marxloh sein. Der Integrationspreis der BKK Novitas gibt Rückenwind auf einem langen Weg.

Der gemeinnützige Verein ist mittlerweile der FC Bayern unter den sozialen Projekten. Mustafa Tazeoglu und Christine Bleks haben 2012 den Preis „Act for Impact“ gewonnen. 2013 folgten Würdigungen beim Förderpreis „Help & Hope“ und die Ehrung bei „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“. Nun räumte das Duo, das „Tausche Bildung für Wohnen“ erfunden hat und leitet, auch den mit 2500 Euro dotierten Duisburger Integrationspreis 2014 ab.

„Das gibt uns Rückenwind, da es der erste Preis in unserer aktiven Zeit ist, verkündet Mustafa Tazeoglu stolz. Die Planungen zur Umsetzung laufen seit 2011. Anfang September erfolgte mit dem Einzug der Paten der endgültige Startschuss. Das Prinzip des Konzepts ist dabei simpel und bestechend zugleich: Junge Menschen (Studierende, Azubis oder FSJ-ler) haben in Marxloh eine WG beziehen dürfen - und das kostenfrei. Ihre „Miete“ zahlen sie mit ihrer Bildung und ihrem sozialen Engagement im Stadtteil.

Guter Mix an coolen jungen Leuten

Lena kommt aus Lübeck. Gerade hat sie ihr Architektur-Studium abgeschlossen. „Bevor ich anfange zu arbeiten, wollte ich noch etwas Soziales machen“, sagt die 29-Jährige, die in Duisburg ihr Bundesfreiwilligenjahr ableistet. Insgesamt neun Paten stehen dem Verein derzeit zur Verfügung. Sechs von ihnen wohnen in der Marxloher WG. Drei sind externe „Heimschläfer“. Sie kommen aus Rostock, Moers oder eben direkt aus dem Stadtteil. „Ein guter Mix an coolen jungen Leuten“, fasst Bleks zusammen.

Zunächst einmal mussten sich die Neuankömmlinge vor Ort orientieren und einarbeiten. „Ich habe zum Beispiel den lokalen Boxverein besucht, um erste Kontakte herzustellen“, berichtet Maxi Boden. Zwei der Paten haben bereits am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium eine Hausaufgabenbetreuung für die sechste Klasse eingerichtet. „Diese könnte die Schule ohne die Paten nicht anbieten“, unterstreicht Tazeoglu. Im November soll es dann richtig losgehen.

Tauschbar

Die „Tauschbar“ an der Paulskirche soll bis dahin komplett renoviert sein und den Raum fürs Lernen, Basteln und Spielen bieten. Die Patenkinder werden in den nächsten Wochen von den umliegenden Schulen ausgesucht. „Wir rechnen mit bis zu 80 Kindern zwischen 6 und 12 Jahren, mit denen wir in kleinen Gruppen arbeiten wollen. Es sollen vor allem Schüler sein, die sonst Gefahr laufen abzustürzen“, erklärt Tazeoglu.

Für OB Sören Link hat „ Tausche Bildung für Wohnen“ durchaus Vorbildcharakter. „Es handelt sich hierbei um ein in die Zukunft gewandtes Projekt, das bundesweit noch einzigartig ist. Wir sind froh, dass bei uns in Marxloh bereits gute Arbeit für Kinder und Jugendliche geleistet wird“, lobte das Stadtoberhaupt bei der Preisverleihung.

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