"Problemhaus"-Anwohner nehmen Stadt Duisburg in die Pflicht

Etwa 45 Bürger sprachen am Freitagabend in Rheinhausen über die Zuwanderung der Roma in ihrem Stadtteil aber auch in ganz Duisburg.
Etwa 45 Bürger sprachen am Freitagabend in Rheinhausen über die Zuwanderung der Roma in ihrem Stadtteil aber auch in ganz Duisburg.
Foto: Lars Fröhlich
Kontrovers aber auch konstruktiv war die erneute Diskussionsrunde zum Duisburger Problemhaus. Tenor: Die Stadt Duisburg muss mehr für die Integration der Roma tun. Nachdem die Stimmung im Stadtteil Ende August gekippt war, hat sich die Situation nun beruhigt. Zwischenfälle meldete die Polizei keine.

Duisburg. Es ist ruhiger geworden im und um den überwiegend von Roma bewohnten Häuserblock In den Peschen. Das war auch der erneuten Diskussionsrunde anzumerken, zu der der Verein Bürger für Bürger in Rheinhausen am Freitagabend eingeladen hatte.

75 Minuten hatten die etwa 45 Menschen zum Teil kontrovers aber auch konstruktiv miteinander gesprochen (nachzuhören in einem Audiostream). Wichtiges Fazit: Einfache Lösungen gibt es nicht. Mehrmals wurde aber die Enttäuschung darüber laut, dass sich trotz Einladungen kein einziger Vertreter von Politik, Stadtverwaltung oder Polizei an der Runde beteiligte.

"Es hat sich einiges getan", so das Resümee einer Anwohnerin, die Situation an der Beguinenstraße und In den Peschen habe sich insgesamt gebessert. Nach der Bewohnerzählung des Ordnungsamtes sei mittlerweile klar, dass weitaus weniger Menschen in dem Häuserblock wohnen, als zunächst erwartet oder befürchtet wurde. Auch der Rattenplage versucht die Stadt Herr zu werden, am Freitag waren Schädlingsbekämpfer in Bergheim. Und die Polizei habe ihre Präsenz im Stadtteil sichtbar erhöht.

Toleranz und bürgerschaftliches Engagement eingefordert

Nachdem Ende August die Stimmung in Rheinhausen gekippt und es sogar gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben hatte, habe vor allem das Engagement der Vereine, die sich um die Zuwanderer kümmern, die Situation entspannt. "Wir müssen den Leuten einfach eine Chance geben. Integrieren können nur wir", brachte es Rolf Karling auf den Punkt.

Seitdem aber ein Streit zwischen den Hilfsvereinen hochkocht, gebe es wieder leichte Rückschritte, haben insbesondere die direkten Nachbarn des sogenannten "Problemhauses" bemerkt. "Hoffentlich fallen wir nicht zurück in alte Zustände", formulierte eine Anwohnerin ihre Ängste. "Wir müssen weiter wachsam bleiben", forderte deshalb der Vorsitzende des Vereins Bürger für Bürger Toleranz und bürgerschaftliches Engagement der Rheinhauser ein.

Verein prüft Schritte gegen Stadt Duisburg

Aber Karling, wie auch die Anwohner, nehmen vor allem die Stadt Duisburg in die Pflicht. In einem WDR-Beitrag habe Schuldezernent Thomas Krützberg behauptet, dass es für alle Roma-Kinder im Schul- und Kindergarten-Alter entsprechende Plätze gäbe, so Rolf Karling. Dies sei keinesfalls so. Er schätzt, dass rund 100 Kinder noch nicht Kindergarten oder Schule besuchen können. Damit künftig alle Roma-Kinder gefördert und beschult werden, prüft Karlings Verein nun Schritte gegen die Stadt, damit die ihrer Aufgabe nachkomme.

Schuldezernent Thomas Krützberg erklärt dazu später auf WAZ-Anfrage: „Es gibt keine Kindergartenpflicht, wir können niemanden zwingen. Für alle Kinder im schulfähigen Alter haben wir aber einen Platz. Wenn sie dort nicht hingehen, ist das eine andere Sache.“ Krützberg sagte, dass die Stadt in den kommenden Tagen und Wochen verstärkt kontrollieren wird, ob die Schulpflicht eingehalten wird.

Auch in anderen Duisburger Stadtteilen gibt es ähnliche Probleme

Auch Bürger aus anderen Stadtteilen meldeten sich an dem Abend zu Wort, die über ähnliche Probleme und Zustände etwa in Bruckhausen berichteten. Ihre Forderung: Die Stadt Duisburg solle den Fokus nicht nur auf Rheinhausen richten, sondern auch die übrigen Stadtteile im Blick haben.

Aus Sicht der Polizei, die in der näheren Umgebung Präsenz zeigte, verlief der Abend ebenfalls ruhig. Der Einsatzleitstelle waren nach Veranstaltungsende keine Zwischenfälle bekannt geworden.

 
 

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