Probleme im Kraftwerk Walsum nehmen kein Ende

Archivbild des Kraftwerkes Walsum. Foto: Hans Blossey
Archivbild des Kraftwerkes Walsum. Foto: Hans Blossey
Foto: Hans Blossey

Duisburg. Der neue Block 10 im Kraftwerk Walsum wird frühestens Mitte 2011 in Betrieb gehen: Experten fanden weitere 1500 Schweißnähte mit Oberflächenrissen, die nun repariert werden müssen. Beim Probebetrieb im Frühjahr gab es bereits massive Probleme.

Der neue Kraftwerkblock in Walsum wird nicht vor Mitte nächsten Jahres den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Die Probleme, die im Probebetrieb im Frühjahr dieses Jahres auftraten, sind massiv und machten die Abschaltung nötig.

Wie berichtet, waren nach der erfolgreichen Druckprobe im Sommer 2009 am 30. März dieses Jahres plötzlich Undichtigkeiten an den Kesselrohren entdeckt worden. Bei genauerem Hinschauen stellten Experten fest, dass 1500 der 35 000 Schweißnähte Risse hatten, durch die Dampf austrat. Entstanden sind sie nach Meinung von fünf Materialprüfern durch „Spannungsrisskorrosion“.

Da Risse nicht zugeschweißt werden dürfen, musste der Energielieferant die beschädigten Rohrstücke komplett austauschen. Diese Arbeit sei inzwischen abgeschlossen, berichtet Evonik-Sprecherin Alexandra Boy auf Anfrage der Redaktion. Allerdings, so Boy weiter, sei bei dieser Gelegenheit aufgefallen, dass es 1500 weitere Stellen gebe, die zwar nicht undicht seien, aber „an der Oberfläche mikroskopisch kleine Oberflächenrisse“ aufwiesen. Vorsorglich habe man sich entschieden, auch diese Rohre auszuwechseln. Sie befinden sich wie die bereits reparierten im Hochdruckteil der Anlage, dem Dampferzeuger. Dort wird ein Spezialstahl eingesetzt, der bis zu 603 Grad Temperatur aushalten muss und Drücke bis zu 311 Bar.

Neuer Probebetrieb ab November

Erst nach Abschluss dieser Arbeiten und dem Wiedereinbau des Turbinenläufers („Schaufelräder“) kann der Probebetrieb erneut beginnen. Evonik rechnet damit, dass das Ende November dieses Jahres der Fall sein wird. Zuvor allerdings müssen die reparierten Rohre einer neuen Druckprobe unterzogen werden. Nach und nach sollen dann über den Jahreswechsel bis zum späten Frühjahr alle Komponenten des 790 Megawatt-Steinkohle-Kraftwerkblocks getestet werden. Erst wenn alles tadellos läuft, kann die Anlage unter Volllast in Betrieb gehen und Strom für die Niederösterreichischen Energieversorger EVN produzieren.

Angefahren wird der Block mit Öl, dann wird auf gemahlene Kohle umgestellt, die als feiner Staub in die Brennkammer geblasen wird. Dort entsteht eine Feuerwalze, die für gleichmäßige Temperaturen und hohe Effizienz sorge, so Alexandra Boy. Zu den Reparatur- und Ausfallskosten (die Anlage geht etwa ein Jahr später in Betrieb als geplant) will sich Evonik nicht äußern.

 
 

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