Polizisten getreten und überrannt

Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.. Eine Augenzeugin erinnert sich an die schrecklichen Momente der Loveparade-Katastrophe. Sie erlebte auch die Bedrängnis, in die die Polizei durch die Menschenmasse am Tunneleingang geriet.

Sie war im Klinikum, wurde wegen ihrer Rückenschmerzen gründlich untersucht und konnte gestern das Krankenhaus gesund Richtung Hennef verlassen. Lara Schuhmacher-Pylen (17) war mittendrin, als die Loveparade-Tragödie an der Zugangsrampe passierte, die jungen Menschen an der Treppe starben.

„Zwei jüngere Mädchen waren auf mich gefallen. Dann lag ein Junge auf meinen Beinen. Alle um mich herum waren gestürzt. Aber ich hatte Glück. Ein Polizist hob mich auf, sagte immer wieder zu mir: Atmen, langsam atmen, tief atmen.“

Ihr Freund Vincent (15) „kam zu mir herangehumpelt“. Die beiden schafften es, dem höllischen Chaos zu entkommen. „Alle versuchten allen zu helfen, ich fächelte einer Bewusstlosen Luft zu“, erinnert sich Lara. „Polizisten und Sanitäter packten an, wo sie konnten.“

Mit einer Gruppe von Freunden waren die beiden per Zug von der Sieg angereist. Sie bewegten sich vom Bahnhof aus in dem Pulk, der bei einem der Top-Acts gegen 17 Uhr dabei sein wollte.

„An einer größeren Straße kontrollierte uns die Security auf Glasflaschen. Danach ließ man uns weiter durch. Es wurden immer mehr Leute. Etwa fünf Meter weit im Tunnel stand eine Reihe von Polizisten, wollte die Menge zurückhalten. Hinter ihnen war sogar noch etwas Platz. Da wurden manche Raver furchtbar wütend. Sie hatten keine Lust zu warten, traten auf die Beamten ein. Ganz viele drängelten sich einfach durch. Der Druck durch die Massen immer größer. Schließlich wichen die Polizisten, die förmlich überrannt wurden, zur Seite aus. Alles strömte in den Tunnel. Der war schließlich so voll, dass man nicht mal mehr den Arm heben konnte.“

Dass die Polizei „freiwillig“ das Feld geräumt habe, wie Rainer Schaller, der Veranstalter der Loveparade, gestern gegenüber dem WDR gesagt hatte, haben die beiden Augenzeugen nicht beobachtet.

Nach und nach fällt Licht auf Umstände, die dazu beigetragen haben könnten, die Rampe in eine Todeszone zu verwandeln. Ein weiterer Augenzeuge ist sicher: „Es gab dort zwei ganz gravierende Fehler. Direkt auf dem engen Rampen-Aufgang zum Loveparade-Gelände waren mehrere Buden platziert, die den ohnehin knapp bemessenen Platz zusätzlich verkleinert haben. Meiner Meinung nach hatten Imbiss-Stände an dieser neuralgischen Stelle absolut nichts zu suchen.“

Der junge Mann hat zudem beobachtet: „Die Floats, die kreisenden Wagen der Parade, kamen dem Rampenaufgang viel zu nahe. Sie wurden beim Herumziehen stetig begleitet von einer Menge Jugendlicher. Diese Fans nahmen viel Raum ein. Befand sich ein Wagen nahe dem Aufgang, konnte aufgrund dieser Menschentraube von unten keiner mehr aufs Gelände, weil oben alles verstopft war. An der Seite versperrten Wände den Weg. So kam es zu der widersinnigen Situation, dass am Eingang alles total dicht war, während im hinteren Bereich des Veranstaltungsgeländes noch reichlich Platz blieb.“

 
 

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