Polizeigewerkschaft fordert 300 Polizisten mehr für Duisburg

NRW-Innenminister Ralf Jäger (re.) und Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizei Gewerkschaft, in der Kreuzeskirche.
NRW-Innenminister Ralf Jäger (re.) und Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizei Gewerkschaft, in der Kreuzeskirche.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Bei einer Podiumsdiskussion in der Kreuzkirche Marxloh waren sich Landesinnenminister Ralf Jäger und der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Rainer Wendt einig: Die Polizei steht unter hohem Druck. Wendt nutzte die Situation und forderte daher 300 neue Beamten für Duisburg.

Duisburg. Die Bevölkerung altert, die Polizei, auch. Gleichzeitig wächst der Druck: Ältere, langgediente Polizisten werden zunehmend in den Vorruhestand geschickt. Die verbliebenen Belegschaften kämpfen täglich mit immer neuen Anforderungen, wachsender Arbeitsverdichtung. Viele Überstunden sind an der Tagesordnung. Mit dieser Diagnose waren sich Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) und Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), bei einer Podiumsdiskussion in der Kreuzeskirche Marxloh einig.

Doch während Wendt langfristig bis zu 300 neue Polizeibeamte für Duisburg forderte, verwies Jäger auf die aktuellen Stellenzuweisungen für die Stadt und NRW: „Wir stellen so viel Polizeibeamte in NRW ein wie noch nie.“ Dabei wird laut DPolG in Düsseldorf auch über Stellenabbau diskutiert.

Hoher Druck auf ältere Beamte

„Duisburg hat eine besondere Situation“, begründete Wendt seine Forderung. „Duisburg hat sowohl mit Rockergruppen und gewaltbereiten Fußball-Hooligans als auch mit einer starken Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien zu tun.“ An Jäger gerichtet: „Daher müssen Sie hier etwas Besonderes tun, wenn hier Polizeikräfte zugewiesen werden. Duisburg braucht deutlich mehr Polizisten.“ Jäger signalisierte Verständnis und Entgegenkommen.

Doch Wendt, selbst Jahrzehnte Polizist in Duisburg, schob nach. Er kritisierte, dass das Landesinnenministerium die Polizei mit neuen Direktiven zusätzlich und „unnötig“ belaste. So habe sich der Druck auf ältere Beamte erhöht, in den Vorruhestand zu gehen: „So kann man mit Menschen, die jahrzehntelang den Kopf hingehalten haben, nicht umgehen. Das ist eine unglaubliche Belastung der Polizeibeamten, die vermeidbar ist. Bitte stellen Sie das ganz schnell ab!“

Fehlender Respekt und kaum vorhandene Wertschätzung

Minister Jäger sprach von einem klassischen Zielkonflikt: „Einerseits erwarten die Bürger möglichst viele, topfitte Polizeibeamte, im Wach- und Wechseldienst , also im Schichtsystem, die möglichst oft im Streifenwagen sitzen und in Minuten da sind, wenn die Bürger in Not geraten.“

Andererseits gebe es aber immer mehr Beamte, die diese Anforderungen nicht mehr erfüllen könnten. Für diese Kollegen gebe es bei der Polizei nur begrenzt Arbeitsplätze, etwa in Leitstellen, mit denen man diese Entwicklung kompensieren könne: „Wir brauchen auch diejenigen, die körperlich nur noch eingeschränkt dienstfähig sind.“ Man versuche, mit Sportprogrammen für ältere Beamte gegenzusteuern.

„Mehr als alles andere“ belaste die Polizisten aber der Mangel an Respekt und Wertschätzung in der Bevölkerung, zunehmende verbale und körperliche Angriffe.

 
 

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