Polizei erwischt Satudarah-Rocker mit Kalaschnikow und Maschinenpistole

Philipp Wahl
Die Polizei Duisburg kontrollierte zwei Satudarah-Rocker und fand Kriegswaffen: ein Schnellfeuergewehr, Typ AK-47, und eine Maschinenpistole.
Die Polizei Duisburg kontrollierte zwei Satudarah-Rocker und fand Kriegswaffen: ein Schnellfeuergewehr, Typ AK-47, und eine Maschinenpistole.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Ein Sturmgewehr, Typ AK-47, lag im Auto, eine weitere Schnellfeuerwaffe in der Wohnung eines 27-jährigen Satudarah-Rockers. Er und sein 23-jähriger Begleiter sitzen nun wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz in Haft. Mit Sorge registrierte die Polizei indes, dass sie in Mülheim, im "Revier" der Bandidos, Satudarah- und Hells-Angels-Rocker antraf.

Duisburg/Mülheim. Von einem "Rockerkrieg" wollten "Ali Osman", der Präsident des Duisburger Motorradclubs Satudarah Clown-Town, und der Clubsprecher Jan "Miami Gianni" Sander nichts wissen, als sie vorige Woche in der RTL-Sendung Stern-TV befragt wurden. "Wir wollen uns nur frei bewegen", erklärte Satudarah-Mitglied Christian J. in einem Einspielfilm.

Und: "Fußballvereine spielen Fußball und wir fahren Motorrad." Auf seiner Kutte trägt J. dennoch das Abzeichen "Sgt. at Arms". Der "Sergeant at Arms" ist in gewaltbereiten Outlaw Motorcycle Gangs (OMCG) für die Bewaffnung der Rockerbande zuständig.

Wie schwer bewaffnet Satudarah-Rocker auch abseits ihres Stammlandes, den Niederlanden tatsächlich sind, verdeutlichte eine Polizeikontrolle in Duisburg-Neuenkamp am Freitagabend: Um kurz vor 19 Uhr hielten Beamte einen Pkw auf der Straße Am Schlütershof an. In diesem saßen zwei Anhänger der schwarz-gelben Gang: zwei aus Serbien stammende Duisburger, 23 und 27 Jahre alt.

Im Wagen fanden die Polizisten eine AK-47, das Schnellfeuergewehr der Waffenschmiede Kalaschnikow, dazu zwei gefüllte Magazine und eine Kiste Munition. Als die Ermittler später die Wohnung des 27-Jährigen durchsuchten, konnten sie außerdem eine Maschinenpistole sicherstellen.

Auf Antrag der Duisburger Staatsanwaltschaft kamen die Verdächtigen vor den Untersuchungsrichter. Der erließ Haftbefehle wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Die Ermittlungen der Kripo dauern an.

Werden die erwischten Satudarahs für das Verbrechen verurteilt, müssen sie mit Freiheitsstrafen von mindestens einem Jahr rechnen. Da die beiden nicht bei einer der Routine-Kontrollen an Rocker-Treffpunkten überführt wurden, sondern während einer Fahrt im Stadtverkehr, dürften sie tatsächlich überrascht worden sein – nur zwei Tage, nachdem sich ihre Chef-Rocker bei Stern TV als friedliche Biker präsentiert hatten.

"Dieser Ermittlungserfolg zeigt, dass man solche Aussagen in der Öffentlichkeit einfach nicht ernst nehmen kann", sagte Polizeisprecher Stefan Hausch. "Wir haben das nie geglaubt, und auch deshalb werden wir die Kontrollen fortsetzen."

Öffentlich Schwärmerei über Splitter-Handgranate

Dass Satudarahs auch hierzulande zu den Waffen greifen, verdeutlichten seit der Fusion mit dem MC Brotherhood Clown-Town im Sommer 2012 Warnschüsse und etliche Kontrollen, bei denen die Polizei immer wieder Messer, Gaspistolen, Schlagstöcke und Baseballschläger sicherstellte. Sogar unmittelbar vor dem RTL-Auftritt vorige Woche ließen sich der Gruppe Zugehörige mit verbotenen Messern erwischen.

Die Bandenmitglieder kokettieren sogar öffentlich mit ihrer Vorliebe für Schuss- und Stichwaffen, Satudarah-Sprecher Sander zum Beispiel. Der ehemalige Bordellbetreiber saß wegen illegalen Waffenbeseitzes selbst schon im Gefängnis.

Die Handgranaten-Anschläge auf ein Gebäude der Hells Angels und ein Wettbüro im Sommer 2012 nimmt er in seinem Buch "Rotlichtkrieg: Auf Leben und Tod gegen die Hells Angels" zum Anlass für eine Schwärmerei über den in Duisburg gezündeten Granatentyp: "Die M75 stammt aus jugoslawischen Armeebeständen, ist eine schöne Handgranate, sie liegt schwer in der Hand, der schwarze Stahl glänzt." Die Ermittler verdächtigen Satudarah, die Anschläge verübt zu haben.

Satudarah- und Hells-Angels-Rocker im "Bandidos-Revier" Mülheim 

Vor dem Hintergrund der Gewaltausbrüche in Duisburg, Düsseldorf und Oberhausen registriert die Polizei Essen/Mülheim mit Sorge, dass sich Rocker der verfeindeten Gangs Satudarah und Hells Angels am Freitagabend nur wenige Meter voneinander entfernt in Mülheim aufhielten.

Dort hatten Hauptzollamt, Polizei und Ordnungsamt die Eppinghofener Straße für eine Großrazzia stundenlang gesperrt. Die Männer aus der OMCG-Szene waren jeweils in am Niederrhein gemeldeten Autos unterwegs. Bei der Razzia waren sie jedoch nicht durch Straftaten aufgefallen.

Banditen und Supporter waren bislang unauffällig

Bemerkenswert ist diese Rocker-Sichtung vor dem Hintergrund der eskalierten Rockerfehde an Rhein und Ruhr, weil die Bandidos die Stadt nach den alten Abmachungen der Clubs wie das gesamte Ruhrgebiet als ihr Revier betrachten. Rockerkrieg

Satudarah MCIn Mülheim gibt es ein Bandidos-Chapter, mit den "Blood Brother MH Ruhrcity" und den "Escuderos MC Mülheim" außerdem zwei Supporterclubs der Banditen. Diese sind zwischen Dümpten und Mintard offiziell konkurrenzlos und bislang unauffällig gewesen, berichtet Polizeisprecher Peter Elke.

Seine Kollegen hatten die Treffpunkte der Motorradrocker freilich dennoch im Blick, vor allem an der Sandstraße. "Dass wir hier nun auf Rocker konkurrierender Motorradclubs gestoßen sind", so Elke, "ist vor dem Hintergrund der Konflikte in und um Duisburg für uns Anlass, besonders wachsam zu bleiben."

Im Kampf gegen kriminelle Rockerbanden hatte zuletzt lediglich ein Polizeieinsatz in Mülheim Aufsehen erregt: Am 7. Februar 2012 durchsuchten 50 Beamte in den Morgenstunden fünf Wohnungen und nahmen drei Männer fest: Sie sollten am 22. Januar 2012 Schüsse auf ein Haus in Oberhausen abgefeuert haben, in dem ein Bandidos-Mitglied des inzwischen aufgelösten Chapters Oberhausen lebte.