Politik macht’s wie Mercator - Vom Suchen und Finden in Sachen OB

Oliver Schmeer
Foto: WNM

Duisburg. Vom Suchen und Finden, so lautet der auf Gerhard Mercator gemünzte Titel der 34. Akzente, die mit imposant-sinnlicher Freiluft-Nachtinszenierung auf der Burgplatz starteten. Es bleibt freilich kaum Zeit, man hat kaum den Kopf frei für das hochkarätige Kulturfestival in den kommenden zwei Wochen. Dabei sollte sich Duisburg ruhig in der Vielfalt der gebotenen Kultur gehen lassen. Es gibt viel zu erforschen, kennenzulernen – die Akzente: ein Festival für Gäste, aber auch für Duisburg selbst.

Mercator hat es vollbracht, das Runde, den Globus, auf die Fläche, die Karte, zu bringen. Das schuf Orientierung. Die braucht Duisburg auch, mahnt jetzt die Wirtschaft an, beklagt gar Totenstarre gerade an der Stadtspitze.

Präsidialer Gauck hilft Duisburg herzlich wenig

Das richtet sich vor allem an die Politik, die sich dem zitierten Suchen und Finden widmet: dem gemeinsamen Oberbürgermeister, der Oberbürgermeisterin. Bei aller berechtigten Sehnsucht nach Gemeinsamkeit und Zusammenrücken: Ein präsidialer Gauck hilft Duisburg herzlich wenig und die berühmt-berüchtigte eierlegende Wollmilchsau wird sich auch nicht finden lassen. Es ist keine Geheimniskrämerei, sondern noch pure Not, dass keine Namen fallen, außer den schon genannten SPD-Kräften (Bas, Walsken, Link, Brandt) oder aus der Spekulationslust geborenen wie der IG Metaller Gasse, Polizeipäsidentin Bartels oder auswärtige Phantastereien wie Ex-Bauminister Zöpel.

Krützberg will bei seinen Leisten bleiben

Mal kursiert dann noch Düsseldorfs Sozialdezernent Hintzsche, gebürtiger Duisburger und in der Nachbarstadt mit SPD-Parteibuch von allen Parteien wiedergewählt. Oder das Rathaus-Eigengewächs Jugendamtschef Thomas Krützberg, der allseits geschätzt ist, aber bei seinen Leisten bleiben will. Oder Michael Rubinstein? Der gemeinhin geachtete Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde, gilt vielen als überparteilicher Moderator.

Vielleicht gibt es ja die Person, auf die sich ein breites Bündnis einigen kann. Dann wird es sicher kein verbranntes Duisburger Parteigesicht sein. Sympathische, auch integre Duisburger gibt es sicher viele. Aber sie müssen auch Chefs sein können, Führungserfahrung haben. Noch mal: das ist kein Gauck-Job. Problematisch wäre ein „eingeflogener“ Zampano.

Hoher Abstimmungsbedarf

Und nur mal zur Erinnerung: Der Mann, die Frau muss auch gewählt werden, von den Duisburgern bitte sehr. Nicht zu vergessen: Auf vage Abenteuer wird sich überdies manch Spitzenkraft in sicherer Top-Position nicht einlassen wollen. Auch deshalb ist hoher Abstimmungsbedarf gefragt. Klar ist auch: An der SPD und ihrem Parteichef Jäger wird bei der (Voraus-)Wahl niemand vorbeikommen.

Und wenn es keinen parteiübergreifenden Kandidaten gibt, sich die Parteien neu sortieren und eigener Wege gehen? Das ist nicht der Untergang, kein Versagen der Politik. Nicht alles lässt sich in Friede, Freude, Eierkuchen backen.