„Platzhirsch“-Festival brachte Großstadt-Flair nach Duisburg

„Fanfare Masolo“ besteht aus deutschen und Musikern aus dem Kongo. Einige von ihnen waren früher Straßenkinder. Mit sattem Sound  und „Hallali“ zogen sie auf dem Dellplatz ein.
„Fanfare Masolo“ besteht aus deutschen und Musikern aus dem Kongo. Einige von ihnen waren früher Straßenkinder. Mit sattem Sound und „Hallali“ zogen sie auf dem Dellplatz ein.
Foto: WAZ FotoPool
Beim „Platzhirsch“-Festival auf dem Dellplatz wurde am vergangenen Wochenende die Artenvielfalt Duisburgs demonstriert. Für die musikalische Unterhaltung sorgten u.a. Max Prosa, der Musiker-Freund Clueso mitbrachte, das Dou Domingo und Stoppok. 2014 soll es eine Neuauflage des Festivals geben.

Duisburg.. „Fast. Strong. Wild“ hat sich René Sonnemanns von den „Pony Riders“ auf sein T-Shirt geschrieben und tritt kräftig in die Pedalen. Ponys und Hirsche vertragen sich bestens, zeigt sich an diesem Wochenende beim „Platzhirsch“-Festival auf dem Dellplatz. Musiker, Aktionskünstler, Ladenbesitzer, Gastronomen und Traumzeitretter haben sich zusammengetan, um Artenvielfalt in Duisburg zu demonstrieren. Herausgekommen ist ein kleines, feines Festival, das Duisburg für ein Wochenende ein entspanntes, großstädtisches Flair verleiht und damit so ganz anders ist als ein Foto in der Reihe „Duisburg in Bildern“ nahelegt: Es zeigt eine Straße mit dem Namen „Unteröderich“. Aber die liegt ja auch in Kaßlerfeld und nicht etwa rund um den Dellplatz.

Die Veranstalter haben rosa Hirschchen auf die Bürgersteige gemalt und weisen den rund 1000 Besucher, die jeweils am Freitag und Samstag kamen, den Weg zwischen den Konzerten. Im Fachgeschäft für „schönes Unnützes“, Onkel Stereo, entlockt am Freitagabend Achim Kämper seinem „Tischlein Elektrisch“ ungewohnte Töne und Geräusche. Auf dem Dellplatz blicken die Zuschauer zu „Kapelsky“ empor, die auf einer Hebebühne „Ostperanto-Jazz“ spielen. Mit „Folkrock“ verzaubert das Duo „Domingo“ die Gäste im „Mimi e rosa“. Felix Rahne ist morgens frisch aus dem Italien-Urlaub zurückgekommen und hat abends direkt geöffnet. „Für uns war klar, dass wir mitmachen. Wir wollen schließlich das urbane und kulturelle Leben in Duisburg fördern“, erklärt der Gastronom.

Max Prosa brachte Musiker-Freund Clueso mit

Leonie (16) aus Mülheim ist extra wegen Max Prosa zum Festival gekommen. Im „Goldengrün“ hat sie einen Platz vor der Bühne ergattert, aber irgendwie steht man in der Cocktail-Bar überall in der ersten Reihe. Max Prosa, der oft mit dem jungen Bob Dylan verglichen wird, singt Geschichten über das Leben. Etwa wie im Café Noir die „Heiligen Halunken“ am Tresen setzen, Romeo einsam trinkt und der Spieler sein Leben auf eine Karte setzt. Melancholisch, tiefsinnig und sympathisch ist der Auftritt – zu dem es eine spontane Zugabe auf dem Dellplatz gibt. Max Prosa hat seinen Musiker-Freund „Clueso“ mitgebracht. Gemeinsam legen sie später im Grammatikoff auf und unterstützen sich beim Konzert gegenseitig mit Mundharmonika und Gitarre. Die Besucher sind berührt, auch weil „Clueso“ Prosa den Vortritt lässt.

Ein Konzert mit Mitsing-Garantie liefert „Stoppok“ im „Grammatikoff“. Sein Publikum ist textsicher, die Männer unterstützen ihn bei den Passagen in „Bee Gees“-Stimmlage und die Frauen brummen: „Hau ab.“ Für alle, die auf die Pirsch gehen wollen, obwohl das Festival vorbei ist, gibt’s übrigens Platzhirsch-Taschen. Die Organisatoren sind sich aber sicher, dass es 2014 wegen des Erfolgs eine Neuauflage geben wird.

Publikum und Veranstalter loben Atmosphäre

„Ich bin erst vor einiger Zeit von Köln wieder nach Duisburg gezogen und positiv überrascht. Ich finde es schön, wenn alle draußen auf der Straße sitzen und so viel los ist“, sagt Besucherin Vivian Gehrmann begeistert. Auch Bartosz Kwiecinski, einer der Macher des „Goldengrün“, lobt die Atmosphäre: „Auch wenn ich viel im Laden war und draußen nicht so viel mitbekommen habe, es war immer voll und die Leute waren zufrieden.“

René Wolff, einer der Mit-Organisatoren, ist mit der Premiere ebenso zufrieden. „Wir haben uns auch bewusst Künstler ausgesucht, die nicht nur eingängige Musik machen. Die Besucher haben sich darauf eingelassen, obwohl sie die Musik vielleicht sonst nicht gehört hätten.“ Wolff freut sich, dass „Clueso“ spontan aufgetreten ist. „Uns geht es gar nicht um den großen Namen, aber er kennt die Situation der Musik-Szene aus Erfurt. Er hatte spontan Zeit und wollte uns unterstützen. Das ist toll.“

 
 

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