Pilotprojekt zur Elternarbeit in Duisburg

Unter dem Titel "Für die Erziehung des Kindes braucht es ein ganzes Dorf" beschäftigt sich die große Duisburger Fachtagung am 17. Mai 2011 mit dem Thema Elternarbeit und Elternbildung. Veranstalter sind die Duisburg Bildung mit dem Programm „Lernen vor Ort“, die Bildungsholding der Stadt Duisburg und die Vodafone Stiftung Deutschland. Foto: Gerd Wallhorn
Unter dem Titel "Für die Erziehung des Kindes braucht es ein ganzes Dorf" beschäftigt sich die große Duisburger Fachtagung am 17. Mai 2011 mit dem Thema Elternarbeit und Elternbildung. Veranstalter sind die Duisburg Bildung mit dem Programm „Lernen vor Ort“, die Bildungsholding der Stadt Duisburg und die Vodafone Stiftung Deutschland. Foto: Gerd Wallhorn
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Duisburg. Ein Pilotprojekt soll die Elternbildung in Duisburg verbessern. Zum Auftakt am Dienstag gab es eine Fachtagung in der Mercatorhalle.

Duisburg steht leider häufig mit negativem Tenor in den Schlagzeilen. Manchmal hat das aber einen positiven Effekt. Die Vodafone Stiftung Deutschland, das Bundesprogramm „Lernen vor Ort“ und die Duisburger Bildungsholding starteten gestern ein Pilotprojekt, das die Elternbildung in den Mittelpunkt rückt.

Professor Klaus Schäfer, Staatssekretär beim Familienministerium, gestand, dass man es noch nicht geschafft habe, sich um Eltern mit Migrationshintergrund zu kümmern, das sei die zentrale Aufgabe der nächsten Jahre. Immerhin 15,6 Mio Euro würden in NRW dieses Jahr für Elternbildung aufgewendet.

Bereitschaft zu neuen Wegen ist da

Von der Vodafone Stiftung kommen jetzt noch mal 200.000 Euro für Duisburg dazu. Geschäftsführer Dr. Mark Speich begründete die Wahl damit, dass es hier viele Initiativen gebe – in der Tat ist die Sammlung 50 Seiten stark – mit deren Akteuren man nun optimieren, ausbauen, vernetzen wolle. „Die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, ist da“, so Speich. Im vergangenen Jahr gehörte die Kirchschule in Homberg-Hochheide zu den ersten drei Pilotschulen bundesweit. Diesmal konzentriert sich die Aktion auf Bildungseinrichtungen in den Stadtteilen Hochfeld und Hochheide, deren Mitarbeiter gecoacht werden, um jenseits hierarchischer Strukturen niederschwellige Angebote zu machen, etwa aufsuchende Elternarbeit.

Bildungsdezernent Karl Janssen forderte, dass die Lehrerausbildung um sozialpädagogische Aspekte erweitert werden müsse. Lehrer müssten in der Nachmittagszeit in der Schule erreichbar sein und Hausbesuche machen.

Das Hirn ist bis ins hohe Alter veränderbar

Zum Auftakt trafen sich gestern über 500 Experten zur Fachtagung „Für die Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf“ in der Mercatorhalle mit Vorträgen, Workshops und vielen Ausstellern – vom großen Akteur wie dem Diakoniewerk bis zum kleinen sublokalen Friemersheimer Bündnis, das Netzwerkarbeit im Stadtteil zur Stärkung von Kindern macht. Auch die WAZ-Mediengruppe mit ihrem Projekt „Zeus Kids“ war dabei.

Prof. Gerald Hüther erklärte in seinem launigen Vortrag die frohe Botschaft der Neurobiologie: „Das Hirn ist bis ins hohe Alter veränderbar“. Vor 50 Jahren hätte man Kinder mit Gendefekt auf Förderschulen geschickt, heute würde das erste Kind mit Trisomie 21 (Downsyndrom) Abitur machen. „Es geht viel mehr, als man glaubt“, so der Neurobiologe, der betont, dass man sich nicht wundern dürfe, wenn Kinder so werden, wie die Labels, die man ihnen aufpappt, von Legasthenie bis Mathe-Unfähigkeit. Begeisterung sei der Schlüssel aller Lernprozesse, die Synapsen im Hirn verknüpften sich erst, wenn etwas unter die Haut gehe, bedeutsam sei. „Das Gehirn wär ja bescheuert, wenn es sich alles merken würde.“

Diese Erkenntnis macht Hoffnung – auch für die Elternbildung.