Pflegerin wegen Gewalt gegen Altenheimbewohnerin verurteilt

Im Ernst-Ermert-Seniorenzentrum der AWO in Duisburg konnte die Schuld der Angeklagten bei einem Ortstermin festgestellt werden.
Im Ernst-Ermert-Seniorenzentrum der AWO in Duisburg konnte die Schuld der Angeklagten bei einem Ortstermin festgestellt werden.
Das Duisburger Landgericht hat in zweiter Instanz das Urteil gegen eine 53-jährige Altenpflegerin wegen Körperverletzung bestätigt. 2012 hatte sie eine blinde Seniorin mit der flachen Hand geschlagen. Die Tat war von einer Zeugin in einem Spiegel beobachtet worden.

Duisburg.. Hatte die Hauptbelastungszeugin die Tat im Garderobenspiegel sehen können oder nicht? Diese an einen klassischen Kriminalroman erinnernde Fragestellung spielte eine zentrale Rolle in einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht, die am Freitag gegen eine 53-jährige Altenpflegerin entschieden wurde.

Zur Überzeugung der Berufungskammer hatte die Angeklagte am 1. April 2012 eine inzwischen verstorbene Seniorin in deren Zimmer im Ernst-Ermert-Seniorenzentrum an der Duissener Wintgensstraße mit der flachen Hand auf den Oberschenkel geschlagen. Das Amtsgericht hatte die Pflegerin dafür zu einer Geldstrafe von 2400 Euro (60 Tagessätze zu je 40 Euro) verurteilt. Die Berufung der Angeklagten scheiterte. Das Landgericht passte lediglich die Höhe der Strafe den Einkommensverhältnissen der 53-Jährigen an und senkte sie auf 1800 Euro (60 Tagessätze zu je 30 Euro).

Ein Ortstermin, bei dem die Verfahrensbeteiligten Freitagmorgen um 9 Uhr freundlich in dem für die Fußball-WM mit Deutschlandfähnchen geschmückten Seniorenheim begrüßt worden waren, hatte die Aussagen der Hauptbelastungszeugin keineswegs wie von der Verteidigung vermutet, ad absurdum geführt.

Tat war im Spiegel gut zu sehen

Die 31-jährige Altenpflegerin hatte berichtet, durch ein lautstarkes Wortgefecht der Kollegin mit der blinden, sehr schwierigen Bewohnerin aufmerksam geworden zu sein. Durch die halb geöffnete Tür habe sie den Schlag im Garderobenspiegel beobachten können. Und siehe: Das Bett der Geschädigten war im fraglichen Spiegel bei halb geöffneter Tür komplett zu sehen.

Das Urteil des Amtsgerichts sei unter dem Strich in Ordnung gewesen, so die Entscheidung des Berufungsgerichts. Dabei sei zu berücksichtigen, dass die Angeklagte bislang unbescholten war, die Tat keine bleibenden Folgen hinterließ und die damals über eine Zeitarbeitsfirma eingesetzte Altenpflegerin unter akutem Stress gestanden habe. „Es war eine einmalige Entgleisung. Niemand spricht ihr die Eignung für ihren Beruf ab“, betonte der Vorsitzende.

Die Angeklagte hatte das Verfahren selbst ins Rollen gebracht. Von der Kollegin beschuldigt, hatte sie sofort ihren Job bei der Zeitarbeitsfirma verloren. Sie wehrte sich mit einer Anzeige wegen falscher Beschuldigung gegen die 31-Jährige. Nach deren Vernehmung hatte die Polizei Ermittlungen gegen die 53-Jährige eingeleitet.

 
 

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