Duisburg

Dieses Bild teilen 2018 Hunderte Duisburger: Social-Media-Expertin erklärt, was sich hinter dem Phänomen verbirgt

In einer Facebook-Gruppe kursiert dieses Foto eines Straßenschildes. Was der Macher mit diesem irreführenden Post bezweckt erklärt eine Social-Media-Expertin im Gespräch mit DER WESTEN.
In einer Facebook-Gruppe kursiert dieses Foto eines Straßenschildes. Was der Macher mit diesem irreführenden Post bezweckt erklärt eine Social-Media-Expertin im Gespräch mit DER WESTEN.
Foto: Wir sind das Ruhrgebiet Facebook-Gruppe (Screenshot)
  • Das Foto eines gelben Stadtnamenschilds wurde 2018 auf Facebook hundertfach geteilt
  • Unter dem Bild stapeln sich förmlich rassistische Kommentare und Hetze
  • Die Stadt Duisburg hält alles für einen Fake
  • Dine Social-Media-Managerin das Phänomen und warum Postings dieser Art bei Facebook so gut funktionieren

Duisburg. Das Stadtnamensschild in Gelb wirkt wohl für viele bedrohlich, denn arabische Schriftzeichen prangen über dem Ortsnamen der Stadt: Duisburg.

Bei vielen Facebook-Nutzern löste ein hundertfach geteiltes Bild davon 2018 offensichtlich Angst aus: Die äußerte sich bei Facebook in rassistischen Kommentaren und Weltuntergangsszenarien.

Warum greifen solche Mechanismen in sozialen Medien immer wieder? Und was bedeuten die Schriftzeichen auf dem Schild tatsächlich?

Bedeutung Arabischer Schriftzeichen: „Geschrieben in Arabisch“

Eine Muttersprachlerin übersetzt den Satz mit „written in Arabic“ also „geschrieben in Arabisch“, was wohl schon etwas weniger bedrohlich klingt.

Also alles nur ein missverständlicher Scherz? Wohl kaum.

Expertin erklärt Ursache für hassverbreitende Social-Media-Fakes

Auf Nachfrage äußerte sich auch die Stadt Duisburg dazu und sagte, dass sie das Schild nicht kennt und auch keine Kenntnis von einer Attrappe hat, die in der Stadt aufgestellt wurde. Das Foto sei ein Fake.

Warum gerade die Emotionen Hass und Rassismus in sozialen Netzwerken so gut funktionieren und wie sich Urheber diesen Mechanismus für ihr Anliegen immer wieder zunutze machen, beschreibt Social-Media-Expertin Simone Schröer im Gespräch mit DER WESTEN.

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„Je emotionaler das Thema, desto stärker die Reaktion“

„Alles, was Menschen bewegt, führt zu Reaktionen in den sozialen Medien. Je emotionaler das Thema, desto stärker die Reaktion. Deshalb verbreiten sich rassistische Äußerungen und Hasskommentare besonders schnell und einfach bei Facebook und Co. Hinzu kommt die Wirkung von Fotos und Videos, die gewünschte Emotionen besonders eindrucksstark und anhaltend erzeugen“, erklärt die Expertin.

Das direkte Feedback durch Liken, Teilen und Kommentare sorge außerdem für eine große Reichweite, vor allem auch im jeweiligen Freundeskreis und bei Gleichgesinnten - die mittlerweile oft beschriebene Filterblase also.

Rassistische Äußerungen: Hemmschwelle in sozialen Medien gering

Gerade bei kontroversen Themen heize sich die Stimmung schnell auf. „Ein Like ist schnell geklickt, ein Post schnell geteilt und durch die Tatsache, dass bereits andere auf eine rassistische Äußerung reagiert haben, sinkt die Hemmschwelle, es selbst auch zu tun. Noch geringer ist solch eine Hürde, wenn man von einem Fakeprofil aus liked, kommentiert oder postet“, beschreibt Expertin Schröer.

„Auf diese Weise können sich Meinungsmache und Hetze besonders gut über die sozialen Medien verbreiten.“

Das Prinzip sei immer das gleiche: Ob bei einem manipulierten Foto eines Stadtnamenschildes oder bei jedem anderen Thema. Hetze und Facebook, das funktioniert.

Dieser Text erschien erstmals im Oktober 2018 auf DER WESTEN

 
 

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