Orgel im Klangrausch und flott swingend

Rudolf Hermes

Beim zweiten Duisburger Konzert des Orgelfestivals Ruhr ging Salvator-Kantor Marcus Strümpe auf eine spannende musikalische Entdeckungsfahrt. Frankreich und Jazz waren die Schwerpunkte der unterhaltsamen Orgelstunde in der Salvatorkirche.

In den triumphalen Klängen von Louis Marchands „Grand Dialogue“ entfaltet Strümpe die ganze Pracht des Absolutismus auf seinem Instrument. Eine intelligente Ergänzung ist das „Piece d´orgue“ von Johann Sebastian Bach, lässt sich der Thomaskantor doch von französischer Musik inspirieren. Das Ergebnis ist ebenso bombastisch wie Marchands Stück, mündet aber in einem virtuosen Akkordgeflirre, das schon in die Zukunft weist.

Der Klangrausch, den Bach hier komponiert, schwingt auch in anderen Werken mit, besonders in „Riff-Raff“ von Gilles Swayne. Die 20-minütige Komposition besteht nur aus Akkorden und Akkordbrechungen. Einiges spielt sich in einem geradezu aberwitzigen Tempo ab, in anderen Momenten ist in langen Pausen der schwingende Nachhall der Akkorde im Kirchenraum zu erleben.

Da das Publikum per Videoübertragung dem Organisten, der auf der Orgelempore musiziert, auf die Finger schauen kann, erkennt man schnell, wie unterschiedlich jedes der drei Manuale registriert ist.

Swaynes „Riff-Raff“ hat große epische Kraft und wirkt in seiner Mischung aus Minimal- und Pop-Musik wie ein unerbittlicher Zeitstrom. Manchmal schimmern die „Tubular Bells“ von Mike Oldfield durch, bis sich die Klänge in ein atemberaubendes Finale steigern. Bei Bach, Marchand und Swayne spürt man, wie die Komponisten von den eigenen virtuosen Fähigkeiten und den klanglichen Möglichkeiten ihres Instrumentes inspiriert wurden.

Auch „Jazzman Swing“ von Adalberto Guzzini ist ein flottes Stück, das seinem Titel alle Ehre macht. Eigentlich für die Hammond-Orgel geschrieben, adelt Strümpe die Tanznummer aus den 70er Jahren auf der großen Kirchenorgel. Zum Finale gibt es mit „Carillon de Westminster“ des Franzosen Louis Vierne noch einmal echten Klangrausch. Und als Zugabe einen federnden Tango von Adalberto Guzzini.