Oldtimer erzählen Geschichten

Oldtimer-Messe „Histori-Car“ im Landschaftspark-Nord. Foto: Lars Fröhlich/WAZ FotoPool
Oldtimer-Messe „Histori-Car“ im Landschaftspark-Nord. Foto: Lars Fröhlich/WAZ FotoPool
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Wer sich einen Wagen kaufen will, der geht zum Fachhändler. Wer Legenden sehen will, der fährt zur „Histori-Car“.

Wie im Vorjahr kamen auch an diesem Sonnabend und Sonntag wieder rund 10 000 Besucher in den Landschaftspark Nord, um Oldtimer der vergangenen 100 Jahre zu bestaunen. Neben dem „Chitty Chitty Bang Bang“, Hauptdarsteller des gleichnamigen Film-Musicals von 1968, zogen diesmal die Bugattis viele Autonostalgiker an.

Mitten in der Kraftzentrale des Landschaftsparks waren einige Exemplare dieser Kultautos zu besichtigen, auch ein sogenannter Baby-Bugatti – ein blauer, etwa zwei Meter langer, skurriler Sonderfall der langen Bugatti-Erfolgsgeschichte. „Von den Baby Bugattis wurden weltweit nur 35 Exemplare gebaut“, berichtet der Dinslakener Autonarr Ralf Goray, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Sandra am Wochenende zum sechsten Mal wieder die Fachmesse für antike Fahrzeuge organisierte. „Die erwachsenen Käufer besonders teurer, wertvoller Bugattis bekamen in den 20er, 30er Jahren manchmal einen Baby-Bugatti geschenkt.“ Sozusagen zwei Bugattis für den Preis von einem. „Mit den Baby-Bugattis fuhren ihre Kinder oft regelrechte Rennen.“

Auch eine andere Bugatti-Kuriosität war auf der HistoriCar ausführlich in Bild und Text dokumentiert: „Der Schatz aus dem Lago Maggiore“. Seit 1937 lag auf dem Boden des Sees im Norden Italiens ein Bugatti-Sportwagen, in 52 Metern Tiefe. Aber erst im Juli 2010 gelang einer Tauchgruppe bei Ascona die Bergung des Oldtimers. Zwar hatte ein gewisser Ugo Pilon das rostige Relikt bereits 1967 entdeckt. Im Halbdunkel von 52 Metern Tiefe ragten Eisenteile aus dem schlammigen Grund des Lago Maggiore. Schnell stand für den Entdecker fest: In der Bucht von Ascona schlummerte im Schlick ein versunkener Oldtimer.

Mit den Jahren entwickelte sich das Automobil-Wrack zu einem beliebten Ziel für Taucher aus der ganzen Region. Sie unternahmen einige Bergungsversuche, da man vermutete, dass es sich um einen wertvollen Bugatti-Rennwagen handeln könnte. Gewissheit gab es jedoch erst am 12. Juli 2010, als das geheimnisvolle Wrack der Tiefe des Sees entrissen wurde. Es wurde unter den Augen von rund 2000 Zuschauern, die sich am Kai versammelt hatten, an Land gebracht.

Die Bergung brachte es an den Tag: Bei dem Fund handelte es sich um einen Bugatti Brescia Type 22 aus den 20er Jahren mit Spitzheck-Karosserie, wie der Schweizer Autoexperte Hans Matti eindeutig feststellte. Zwar feierten die italienischen Entdecker den Fund mit einem großen Straßenfest. Doch der Anlass der Bergung war traurig: Der Mord an einem 22-jährigen Mitglied des Tauchclubs Ascona am 1. Februar 2008. Damals hatten drei Jugendliche fast grundlos Damiano Tamagni währen der Tessiner Fastnacht zu Tode geprügelt. Die Trauer der Familie führte zur Gründung der Stiftung Damiano Tamagni gegen Jugendgewalt. Nach dem Verbrechen erinnerte man sich im Tauchclub Ascona an den Rennwagen im Lago Maggiore. Der Bugatti Brescia wurde geborgen und an einen US-Millionär verkauft. Mit dem Verkaufserlös – rund 20 Millionen Euro – wurde die Stiftung unterstützt.

 
 

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