OB Sauerlands und Kapitän Ahabs Wa(h)lkampf

„Armer Kapitän Ahab“. So verglich FDP-Ratsherr Wilhelm Bies Oberbürgermeister Adolf Sauerland.
„Armer Kapitän Ahab“. So verglich FDP-Ratsherr Wilhelm Bies Oberbürgermeister Adolf Sauerland.
Foto: dapd
„Armer Kapitän Ahab“. So verglich FDP-Ratsherr Wilhelm Bies Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Einer von einigen Sätzen in der Ratssitzung zum Abwahlverfahren, die eine Betrachtung wert sind.

Duisburg.. Kapitän Ahab. Legendär mit Gregory Peck verfilmt, hat man Herman Melvilles Romanfigur des einbeinigen Walfängers vor Augen, der bis zu seinem Untergang Moby Dick, den weißen Wal jagt, der ihm einst ein Bein abriss. Sturheit bis zur Verblendung.

„Armer Kapitän Ahab“: Die tragische Romanfigur spiegelte FDP-Fraktionschef Wilhelm Bies in der Ratssondersitzung am Donnerstag auf Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Ein – wenn auch harter – rhetorischer Volltreffer, aber kein Schlag – wie andere – unter die Gürtellinie. Ein Bild zudem, das Sauerland mit seiner Stellungnahme nach der Ratssitzung allzu offenbar bestätigte: Sein Moby Dick ist der politische Gegner. Allein dieses Freund-Feind-Denken, das Abtun der Abwahl als Kampagne gegen den ungeliebten CDU-Mann scheint ihn den Druck aushalten zu lassen. Sauerlands Sicht und auch die der CDU: Die „Roten“ wollen den „Schwarzen“ aus ihrem roten Rathaus, aus dem Amt jagen. Für die CDU ist Sauerland der gejagte Wal.

Die „Pequod“, Ahabs Walfangschiff, geht in Melvilles Roman unter. Keine Sorge, keine Dramatisierung: Das Schiff Duisburg wird nicht sinken. Doch der drohende Lager-Abwahlkampf wird die Stadt in schwere See bringen.

Kein Wort von Sauerland in seiner Reaktion, um was es bei dem Abwahlverfahren gegen ihn eigentlich geht, was Zigtausende hat das Bürgerbegehren unterschreiben lassen. Es ist die Loveparade, die politisch-moralische Verantwortung, die er hätte übernehmen müssen. Auch daran erinnerte FDP-Mann Bies. Und es geht um das Desaster nach der Katastrophe. Muss man wirklich an Pressekonferenzen, fragwürdige Gutachten, Leugnungen und Verleugnungen, an verbale Fehltritte erinnern?

Stattdessen: Wagenburg, Legendenbildungen. Spaltung der Stadt. Lähmung. Die Loveparade-Katastrophe wird zur nicht heilenden Wunde Sauerland. Auch fraglos für den Betroffenen selbst – trotz aller Bekundungen der Gelassenheit. Natürlich ist der Abwahlkampf nunmehr auch zum Kampf um die Macht im Rathaus geworden. Das politische Leben schaukelt sich hoch. All das hätte nicht sein müssen.

Auch das: Linke lobt die Verdienste des OB

In der Ratssitzung fiel ein weiterer bemerkenswerter Satz: „Sauerlands Verdienste als Oberbürgermeister gerade in der Anfangszeit sind unbenommen.“ Das sagte ausgerechnet Linken-Fraktionschef Hermann Dierkes. In der Tat: Aufgebrochene Verkrustungen mit Sauerlands Amtsantritt nach jahrzehntelanger SPD-Herrschaft, frischer Wind im Rathaus, neue Gesichter an Schaltstellen, Aufbruch namentlich in der Innenstadt, neue Attraktivität für Investoren. Alles richtig und unbenommen. Nur darum geht es längst nicht mehr.

Ein dritter Satz aus der Ratssitzung: „Ich bitte Sie, keine Gräben aufzureißen, die wir nur schwer wieder zuschütten können“, appellierte Stadtdirektor Peter Greulich. Der Satz ging im Tumult unter. Man hört sich nicht mehr zu. So richtig die Mahnung ist, auch sie kommt zu spät. Zu groß das Misstrauen zwischen Politik und Verwaltung, zu heftig die gegenseitigen Schuldzuweisungen, Verdächtigungen, Mutmaßungen.

Ein letzter Satz aus dem Rat, der fatal klingt, zweifelsohne zwiespältig ist, aber dennoch brachte Linken-Chef Dierkes das Duisburger Dilemma auf den Punkt: „Für die Stadt wäre nichts gewonnen, wenn Sauerland das Abwahlverfahren gegen zigtausende Bürger überstehen würde.“

 
 

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