OB Sauerland erntet von Mitarbeitern höhnisches Gelächter

Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Foto: Volker Hartmann/ddp/dapd
Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Foto: Volker Hartmann/ddp/dapd
Foto: dapd
„Ich war nie der Typ, der unangenehme Pflichten gemieden hat.“ Mit höhnischem Gelächter reagierten die Bediensteten der Stadtverwaltung auf diese Aussage von OB Sauerland auf der Personalversammlung. Die Mitarbeiter beklagen indes eine chronische Überlastung.

Duisburg.. Der Personalrat für die Innere Verwaltung der Stadt Duisburg schlägt Alarm: Der Vorsitzende Rainer Hagenacker und seine Mitstreiter wiesen auf der gestrigen Personalversammlung in der bis auf den letzten Platz gefüllten Mercatorhalle auf die immer schwieriger werdenden Arbeitsbedingungen für die rund 6000 Verwaltungs-Mitarbeiter hin – mit ernüchternden Berichten der Belegschaft aus ihrem Arbeitsalltag. Auch das Thema Abwahlverfahren gegen OB Adolf Sauerland, der in erster Reihe saß und später selbst das Wort ergriff, bewegte deutlich hör- und sichtbar die Gemüter.

Viele Mitarbeiter beklagen chronische Überlastung

Hagenacker brachte die allgemeine Gemütslage auf den Punkt: Der Druck steigt. In jedem Amt. Für alle Bediensteten. Da frei werdende Stellen nicht neu besetzt und gleichzeitig die zu erledigenden Fallzahlen in fast allen Bereichen hochgeschraubt wurden, klagen viele Mitarbeiter über chronische Überlastung. „Bis 2014 sollen weitere 680 Stellen wegfallen. Dies ist eine unverantwortliche Forderung“, rief Hagenacker seinen frustrierten Kollegen entgegen. Donnernder Applaus.

Danach schilderten Betroffene die Bedingungen an ihren Arbeitsplätzen – etwa eine Mitarbeiterin vom Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes. Sie klagte nicht nur über die steigende Zahl von Kindern, die aus Problem-Familien herausgeholt werden müssten, sowie die damit einhergehende Dokumentationsflut. „Für unsere ursprünglichen Aufgaben bleibt uns deshalb immer weniger Zeit.“

Frust über Beförderungs-Stopp

Ein Mitarbeiter der Kita „Am Hochheider Busch“ berichtete, wie schwer es sei, den Alltag mit knapper Struktur zu managen. Man müsse fast schon froh sein, wenn es gelinge, am Nachmittag alle heil nach Hause zu bekommen. „Die Kinder – und die Erzieher“, setzte er eine schöne Pointe. Den lautesten Applaus des Vormittages erhielt er für sein Statement: „Diese Stadtverwaltung hat noch ein Guthaben: Und das sind meine Kolleginnen und Kollegen hier.“ Und in Richtung Verwaltungsspitze um OB Sauerland forderte er: „Bitte gehen sie gut mit diesem Guthaben um, sonst verlieren sie das auch noch.“

Schon jetzt wirken sich die geschilderten Bedingungen auf den Krankenstand aus: Die Fehlzeiten hätten sich von 6,4% in 2009 auf 7,3% in 2011 bereits spürbar erhöht, so der Personalrat. Doch Frust liefere auch der Beförderungs-Stopp (allein 400 Beamte warten darauf) und die zunehmende Überalterung der Belegschaft. Bereits jetzt sind mehr als die Hälfte über 45 Jahre alt und ein Drittel sogar über 50. Tendenz: stark steigend.

Kein Wunder, dass hier die Jugend- und Auszubildenden-Vertretung (JAV) mit einem gelungenen Filmbeitrag auf ihre oft perspektivlose Situation hinwies – etwa, dass gut ausgebildete, junge Kräfte kaum Chancen auf eine Übernahme hätten. Die drei Schlüsselforderungen der Personalvertretung lauteten auch deshalb: Stellenabbau stoppen! Freie Stellen sofort besetzen! Neues Personal für zusätzliche Aufgaben einstellen!

Nur vereinzelte Buh-Rufe

All das hatte sich OB Sauerland geduldig angehört, ehe er selbst ans Mikrofon trat. Im Gegensatz zur Versammlung im Vorjahr verließen diesmal weniger Bedienstete die Halle. Auch Buh-Rufe waren nur vereinzelt zu hören. Auf das zuvor Gehörte ging Sauerland nur kurz ein, hatte aber immerhin die gute Nachricht dabei, dass sich in punkto Beförderungen bald etwas zum Guten verändern werde.

Seine Rede wurde aber von Zwischenrufen unterbrochen. Als der OB zum Thema Ansehensverlust der Stadtverwaltung bei den Bürgern sagte „Ich weiß, in welch schwieriger Situation Sie sich befinden“, zürnte ein Zuhörer: „Nie und nimmer weißt du das!“ Und für seine Bemerkung „Ich war nie der Typ, der unangenehme Pflichten gemieden hat“ erntete der OB von allen Mitarbeitern nur eines.

Höhnisches Gelächter.

 
 

EURE FAVORITEN