Nun berichten die Briten über die Roma in Duisburg

Svenja Aufderheide
Auch die Europa-Abgeordneten Hannes Sobodo, Birgit Sippel und Jens Geier besuchten bereits das Problemhaus
Auch die Europa-Abgeordneten Hannes Sobodo, Birgit Sippel und Jens Geier besuchten bereits das Problemhaus
Foto: Hayrettin Özcan
Nach den national beachteten Fernseh-Auftritten von OB Sören Link und Michael Willhardt ist nun auch die britische Presse auf Duisburg und die Roma-Problematik aufmerksam geworden. Der Tenor in beiden Texten: Das, was zur Zeit in Duisburg passiert, wird im nächsten Jahr auch in Großbritannien passieren.

Duisburg. Wenn am Dienstag die rechtsextreme Partei Pro NRW vor dem „Problemhaus“ in Bergheim ihre Parolen in die Öffentlichkeit bringt und viele Gegendemonstranten zeigen wollen, dass Duisburg eine tolerante Stadt ist, die braune Anzugträger verabscheut, dann werden auch die überörtlichen Medien über Duisburg berichten. Als Stadt, die eine Haupt-Anlaufstelle für Armutsflüchtlinge aus Bulgarien und Rumänien ist und sich von Berlin und Brüssel allein gelassen fühlt mit den Problemen vor Ort.

Nach den national beachteten Auftritten von Oberbürgermeister Sören Link bei Stern-TV und von Michael Willhardt bei „Maischberger“ ist nun auch die britische Presse auf Duisburg aufmerksam geworden. Sowohl „The Sunday Telegraph“ als auch „Daily Mail“ haben groß über Duisburg und Zuwanderung berichtet. Der Tenor in beiden Texten: Das, was zurzeit in Duisburg passiert, wird im nächsten Jahr auch in Großbritannien passieren.

Briten stellen dieselben Fragen

Harriet Alexander stellt im Telegraph schon in der Titelzeile, die Frage, die auch viele Duisburger umtreibt: „Sie kommen, um ein besseres Leben zu haben. Doch irgendwer muss dafür bezahlen.“ Zwölf Millionen Euro habe Duisburg seit 2007 für Schulklassen gezahlt, die den Kindern der Zuwanderer zumindest Grundkenntnisse vermitteln, erzählt die Integrationsbeauftragte Leyla Özmal im Gespräch mit der britischen Zeitung. Sie schätzt, dass Duisburg im nächsten Jahr rund 15 Millionen Euro Sozialleistungen für Rumänen und Bulgaren aufbringen muss, denn ab 2014 haben die Zuwanderer Anspruch auf selbige.

Louise Eccles von der Daily Mail geht noch einen Schritt weiter: „Meine Warnung an Großbritannien: Warum der SPD-Oberbürgermeister einer deutschen Stadt will, dass Sie sehen, was passiert, wenn rumänische Migranten einwandern“, betitelt sie ihre Reportage über das „Problemhaus“ in Bergheim. Und rechnet den Briten vor, dass ein Einwanderer mit drei Kindern in Großbritannien 660 Euro Sozialhilfe beziehen könnte.

Duisburgs Probleme werden international wahrgenommen

Auch der Hinweis darauf, dass rund ein Drittel der Autos vor dem Problemhaus britische Kennzeichen trägt, fehlt nicht in der Reportage, in der Anwohner, Betroffene und die Stadt ausführlich zu Wort kommen. Duisburgs Problem mit den Armutsflüchtlingen wird, so scheint es, langsam auch in anderen Ländern wahrgenommen.