NS-Doku-Zentrum weiterhin nicht in Sicht

Mit ihrem Vorhaben orientiert sich die Stadt Duisburg an dem bundesweit angesehenen NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln. hier zu sehen ist Dr. Martin Rüther vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln.
Mit ihrem Vorhaben orientiert sich die Stadt Duisburg an dem bundesweit angesehenen NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln. hier zu sehen ist Dr. Martin Rüther vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln.
Foto: WAZ FotoPool
Das Stadtfenster an der Steinischen Gasse für Volkshochschule und Bibliothek wächst empor, aber vom geplanten NS-Doku-Zentrum ist weiter keine Spur. Die Politik hält weiterhin an dem ehrgeizigen Projekt fest, wie viel es kostet und wie dies zu finanzieren wäre, ist aber noch immer ungeklärt.

Duisburg.. Wo ist eigentlich das geplante und viel beschworene „NS-Dokumentationszentrum“ geblieben? Es sollte zusammen mit der neuen Bibliothek und der neuen VHS als ein kleiner, wichtiger Baustein im modernen Medien-, Kultur- und Bildungszentrum, dem „Stadtfenster“ an der Steinschen Gasse entstehen. So hatten es die Ratsmitglieder vor fünf Jahren beschlossen.

In dieser Woche nun haben die Kulturpolitiker des Rates – mit beachtlicher Verspätung – rund 8,5 Millionen Euro freigegeben, damit das Stadtfenster auch wirklich Tische, Stühle, Regale, Computer und Lampen bekommen kann. Doch vom NS-Dokumentationszentrum, jener als elementar angesehen Bildungseinrichtung, die speziell den 70.000 Schülern dieser Stadt mit Blick auf braune deutsche Zeitgeschichte eine pädagogisches Lehrstunde in Demokratie vermitteln soll, ist nicht die Rede. Wie das?

Die NRZ fragte nach in Verwaltung und Kulturpolitik: Wo ist das Projekt geblieben?

Das NS-Doku-Zentrum, so erklärt Kulturdezernent Karl Janssen, sollte im Prinzip im Stadtfenster angesiedelt sein; doch weil die Kosten (Investition und Personal) von knapp einer Millionen Euro keine Pflichtaufgabe, sondern als eine durchweg freiwillige Leistung der Stadt anzusehen seien, dürfe die Stadt sich nicht mit dieser Summe verschulden. Eine Information, die der Kämmerer seinem Kultur-Dezernenten-Kollegen schon im vergangenen Jahr 2011 gerne auch schriftlich gegeben hat.

Das Stadtfenster wird also jetzt für VHS und Bibliothek zügig gebaut, ohne ein NS-Doku-Zentrum. Und die Bibliothek wird die eingeplante Fläche von 394 Quadratmetern vorerst für sich vereinnahmen können. Eine andere Lösung, so Dezernent Janssen, könne aber mit dem neuen Landesarchiv, das derzeit am Innenhafen entsteht, möglich sein. Dann nämlich, wenn das Stadtarchiv und Stadthistorische Museum Dinge ans Landesarchiv abgäben und somit in den städtischen Gebäuden am Innenhafen Platz für das NS-Doku-Zentrum geschaffen werden könnte. „Aber das muss die Politik entscheiden.“

Ehrgeiziges Projekt, das sich an der Stadt Köln orientiert hatte

Die Politik – Rot-Rot-Grün wie auch die CDU – so erfährt die NRZ auf Nachfrage, will weiterhin festhalten an dem ehrgeizigen Projekt, das sich einst am bundesweit angesehenen NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln orientiert hatte. In der Projektbeschreibung für Duisburg ist von einer Dauerausstellung in vier Räumen mit einem Innen- und Außenbereich die Rede, vier Fachkräfte sorgen für pädagogische Vermittlung. Wie viel es kostet und wie dies zu finanzieren wäre, wird in den Parteien noch immer unterschiedlich gesehen. Während CDU-Ratsherr Frank Heidenreich von einer „Pflichtaufgabe“ im Bereich Jugendbildung spricht und er deshalb meint, die Stadt müsse es aus dem Haushalt bezahlen, sagt SPD-Mann Udo Vohl: Ohne Förderung von außen geht es nicht.

Auch in der Frage nach den passenden Standort hat sich in der Politik noch immer kein Konsens eingestellt: Während CDU, Grüne und der Dezernent das Zentrum sehr wohl sehr gut im „Stadtfenster“ aufgehoben sehen, gibt es bei SPD und Linke andere Ideen: Duisburg brauche ein Zentrum, sagt Vohl, in dem nicht nur die Ereignisse von 1933-1945 und damit die Nazi-Verbrechen dargestellt würden, sondern auch eine aktive Bildungsarbeit, die mit jungen Menschen über diese Zeit hinaus betrieben werde. Ein solches Zentrum könne beispielsweise im Kultur- und Stadthistorische Museum angesiedelt sein.

 
 

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