Zuwanderung bereitet Hausbesitzern in Duisburg-Marxloh Sorgen

Martin Kleinwächter
Blick auf den Bürgersteig an der Kaiser-Friedrichstraße in Marxloh.
Blick auf den Bürgersteig an der Kaiser-Friedrichstraße in Marxloh.
Foto: WAZ FotoPool
Die Entwicklungsgesellschaft Duisburg hat ein Jahr vor ihrem Rückzug aus dem Stadtteil zum Gedankenaustausch mit Haus- und Grundbesitzern eingeladen. Dabei entspann sich eine kontroverse Diskussion über die Entwicklungschancen des Zuwanderer-Stadtteils. Neues Problem: Der ungebremste Zuzug der Roma und ihre Wohnkultur.

Marxloh. Lohnt es sich, als Haus- und Grundbesitzer in Marxloh zu investieren? Das wurde jetzt bei der Entwicklungsgesellschaft Duis­burg (EG DU) kontrovers diskutiert. Ein Jahr, bevor sie ihr Engagement für den Stadtteil einstellt, hatte sie vor allem Vermieter von Mehrfamilienhäusern zum Gedankenaustausch eingeladen. Eigentlich sollte es im katholischen Gemeindeheim St. Peter und Paul um Fördermöglichkeiten bei der Fassaden- und Hofgestaltung gehen, um die Begründung einer regelmäßig tagenden „Eigentümerversammlung“. Aber sehr bald ging es darum, ob Marxloh überhaupt Zukunft hat.

Zwei Seiten eines Stadtteils

Die Mitarbeiter der EG DU machten die Doppelwertigkeit des stark von Zuwanderern bewohnten Stadtteils deutlich: Da ist die Weseler Straße, die Pilgerstätte von Brautleuten selbst aus dem Ausland. Und auf der anderen Seite stehen da verfallende Miethäuser mit vermüllten Hinterhöfen. Sie warben für das Zusammengehen der Vermieter-Nachbarn, für gemeinsame Sanierungen von Innenhöfen, für ein verbessertes Erscheinungsbild des Stadtteils. Mehr Lebensqualität, so ihre Logik, steigere den Immobilienwert.

Anerkennung zollten die rund 50 Teilnehmer einem türkischen Getränkehändler, der sein Eckhaus an der Bertramstraße auf Vordermann gebracht hat und dessen Nachbar-Vermieter so nachzogen. Das Haus- und Hofprogramm der Stadt fördert eine neue Glattputzfassade mit 21 Euro je Quadratmeter und eine Hofbegrünung mit 26 Euro/qm.

Optimisten und Pessimisten

Viele Vermieter hielten das für sinnlos: „Es ist einfach unmöglich, hier noch Rendite zu erzielen“, hieß es. Oder: „Wenn ich über 3,80 Euro Kaltmiete je Quadratmeter gehe, haben mir meine Mieter schon den Auszug angekündigt.“ Und: „Mein Haus liegt neben ei­nem ,Geisterhaus’ an der Hagedornstraße. Das zieht mich herunter.“

Der Geschäftsmann von der Bertramstraße hielt dem entgegen, wenn alle an einem Strang ziehen würden, sei der Wandel zu schaffen. „Vor 20 Jahren galt die Lage der Weseler Straße auch als aussichtslos“, ergänzte EG-DU-Geschäftsführer Heiner Maschke.

Kulturelle Vielfalt als Chance

Viele Vermietern blieben ihre Zweifel: „Wenn es hier nicht gelingt, die Roma-Zuwanderung zu stoppen, wird der Stadtteil völlig zerstört“, warnte jemand. Ähnlich: „Die guten Mieter ziehen mir aus, weil die Roma die Straße vermüllen.“ Und: „Man bekommt keine Hilfe von offizieller Seite.“ Darauf meldete sich Bezirksbürgermeister Uwe Heider (SPD): „Es sind aber private Vermieter, die pro Matratze und Nacht zehn Euro kassieren.“ Erst wenn man sie für den Müll bezahlen lasse, höre das auf.

Ein Lehrer versuchte zu vermitteln: Wenn es einen Stadtteil gebe, der das Problem bewältigen könne, dann Marxloh mit seiner kulturellen Vielfalt.