Wie die Senioren im Haus Marxloh den tödlichen Brand verarbeiten

Sabine Merkelt-Rahm
Bei einer Gedenkfeier konnten die Bewohner des Haus Marxloh über den Brand sprechen.Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
Bei einer Gedenkfeier konnten die Bewohner des Haus Marxloh über den Brand sprechen.Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
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Duisburg. In der Nacht des Brandes im Seniorenzentrum Haus Marxloh klingelte bei Pfarrer Martin Winterberg von der Kirchengemeinde Alt-Duisburg um kurz nach fünf Uhr das Telefon. Winterberg war der diensthabende Notfallseelsorger für die Woche. Die Leitstelle der Feuerwehr informierte ihn kurz über den Brand und er fuhr nach Marxloh. Der Schrecken sitzt noch tief. In einer Gedenkstunde ließ Winterberg nun mit Bewohnern und Angehörigen das Geschehene noch einmal Revue passieren. Vielen ist es ein Bedürfnis, über die Erlebnisse zu reden. Sie sind dankbar für das Gesprächsangebot.

Erinnerungsstücke teilweise zerstört

„Als ich ankam brachte die Feuerwehr gerade die letzten Bewohner aus der Straßenbahn zurück ins Haus“, erzählt er. Zu dem Zeitpunkt war nur bekannt, dass es zwei Tote gegeben hatte und dass einige Bewohner mit Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus gekommen waren. Winterberg ging mit den Pflegekräften der Tagschicht, die gerade zum Dienst kamen, durch die Flure und weckte die letzten Bewohner, die in den Zimmern den Brand verschlafen hatten. Alle Bewohner versammelten sich im großen Saal im dritten Stock.

„Die Hauswirtschaftskräfte sorgten für heißen Kaffee und wir tauschten die Rettungsfolien gegen Wolldecken aus“, erzählt der erfahrene Notfallseelsorger. Die knisternden Notfalldecken sind gut gegen die Auskühlung des Körpers. Aber eine richtige Wolldecke, in die man sich kuscheln kann, tut auch etwas für das seelische Gleichgewicht, erklärt er den Bewohnern, damit sie im Nachhinein die Situation noch einmal besser einschätzen können. „Besonders bedrückend war die Situation natürlich für alle, deren Zimmer durch den Brand oder das Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen worden waren“, berichtet Winterberg. „Jeder Altenheimbewohner wählt vor seinem Einzug die Erinnerungsstücke sorgfältig aus, die er mitbringt und möchte sie nicht verlieren.“ Nun wird versucht, ob man einige Erinnerungsstücke bewahren und eventuell restaurieren kann.

„Die zwei waren befreundet“

„Die zwei waren befreundet“, sagt eine Bewohnerin leise, „und jetzt sind sie zusammen gestorben“. „Viele Bewohner haben neben der Trauer auch eine gehörige Portion Wut über die große Leichtsinnigkeit, die ihr Leben in Gefahr gebracht hat“, weiß Pfarrerin Humbert. Die Brandsachverständigen ermittelten einen vergessenen Zigarillo als Ursache für das Feuer. „Warum ist der Mann denn nicht in den Raucherraum gegangen?“ ist eine Frage die jetzt viele beschäftigt. Eine Bewohnerin vom gleichen Flur, die selber auch raucht, hat Verständnis: „Der konnte doch nicht alleine aufstehen, und die zwei Nachtwachen haben bei 80 Leuten nachts gar keine Zeit für sowas.“ Eine der Nachtwachen hat sich bei ihrem Rettungsversuch Verbrennungen zugezogen. Zum Abschluss beten die Bewohner für ihre Genesung.