Waschbären durchstreifen die Rheinauen in Duisburg-Walsum

Ein Waschbär.
Ein Waschbär.
Foto: WAZ FotoPool
In den Rheinauen sind wieder Waschbären gesichtet worden. Vermutungen von Experten wurden durch Fotofallen bestätigt. Woher die Waschbären kommen, ist unklar. Aber mit Glück kann man die scheuen, nachtaktiven Tiere in der Dämmerung entdecken.

Walsum. Die Walsumer Rheinauen entwickeln sich immer mehr zum Tierparadies. Jetzt ist neben den Störchen eine neue Art nachgewiesen worden: der Waschbär. Der Verdacht, dass es die niedlichen Kleinbären dort gibt, kam 2012 auf. Damals, so schildert Dr. Johannes Meßer (Bund für Umwelt und Naturschutz und Vorsitzender des Landschaftsbeirats), habe er festgestellt, dass es deutlich weniger Steinkäuze gab. Er befürchtete, dass die Gelege von einem tierischen Räuber geplündert worden seien.

Zu sehen bekommen indes hatte er bis zu dem Zeitpunkt kein Tier, das in der Lage ist, auf Bäume zu klettern und in die Nisthöhlen einzudringen. Da halfen nur Geduld und detektivische Arbeit: „Wir haben Fotofallen im Unterholz aufgestellt“, berichtet der städtische Artenschutzbeauftragte Dr. Randolph Kricke.

Woher die Waschbären kommen, ist unklar

Dann begann das Warten. Und schließlich stellten die Fachleute bei der Auswertung der Bilder fest: Es gibt tatsächlich wieder Waschbären in den Rheinauen. Vor ein paar Jahren war das schon einmal der Fall, aber dann wurden die bis zu 70 Zentimeter langen Tiere plötzlich nicht mehr gesehen.

Woher sie jetzt kommen, das weiß niemand. „Vielleicht sind sie aus Pelztierfarmen ausgebüxt“, sagt der Biologe. Vielleicht stammten sie aber auch aus Zoos – oder sind aus Privatgehegen stiften gegangen. Klar indes ist für Kricke: „Es sind Gefangenschaftsflüchtlinge.“ Auf na­türlichem Wege sei eine Zuwanderung nicht möglich. Denn heimisch sind sie in Nordamerika, wo sie zum einen als „niedliche“ Besucher in Gärten, zum anderen aber auch als lästige Mülltonnenplünderer bekannt sind.

Gute Kletterer

Sie sind gute Kletterer, wie Dr. Johannes Meßer vor gar nicht langer Zeit auf einem Walsumer Hochsitz erlebte: Als er die Plattform erreichte, huschte plötzlich etwas Dickes, Pelziges vorbei – das dann rasch verschwand. Der Mensch und der Waschbär waren wohl gleichermaßen überrascht, aufeinander zu treffen.

„Für den Menschen stellen Waschbären keine Gefahr dar“, sagen Kricke und Meßer. Wohl aber für die heimische Tierwelt. „Waschbären plündern gerne Vogelnester“, so die Fachleute. Als Allesfresser verachten sie aber auch keine Zivilisationsabfälle wie Pommes, Hamburger und Co, die sie einfach aus Mülltonnen fischen. Und sie lieben im Freien ausgelegtes Haustierfutter.

Krickes Tipp: Waschbären nicht durch Futter anlocken. Es seien Wildtiere, die ohne Hilfe klarkämen, auch im Winter. Wenn sie dagegen gefüttert würden, könnten sie sich rasch zur Plage entwickeln. Denn dann würden sie, wie ihre Artgenossen in den USA, auch an die Hausmülltonnen gehen und sogar in Häuser eindringen.

Wie viele dieser Tiere es im Landschaftsschutzgebiet Rheinauen inzwischen gibt, ist unbekannt. Die Stadt will den Bereich weiter im Auge behalten.

Viele Wildtiere fühlen sich inzwischen in der Großstadt heimisch 

Es gibt etliche Wildtiere, die sich inzwischen in der Stadt heimisch fühlen. Dazu zählt etwa der Fuchs, über den wir kürzlich berichteten.

In einer kleinen Reihe werden wir in den kommenden Wochen verschiedene Tiere vorstellen, die entweder „Neubürger“ sind oder nach langer Abwesenheit wieder mal vorbeischauen, etwa um hier ihre „Kinder“ zur Welt zu bringen. Dazu zählen Schwalben und Störche.

Dr. Randolph Kricke, Ar­tenschutzbeauftragter der Stadt Duisburg, kennt einige dieser Tiere – und ihre Lebensräume. Dazu zählen un­ter anderem Industriebrachen, die besonders wertvoll für allerlei Getier sind. Denn dort finden sie Unterschlupf, ha­ben keine natürlichen Feinde und werden von Menschen nicht gestört.

Auch die Rheinauen sind ein für Wildtiere wichtiges Gebiet. Dort finden die überwiegend im Sommer vorbeischauenden (Wasser-)Vögel gute Be­dingungen, um ihren Nachwuchs aufzuziehen und sich Winterspeck anzufuttern.

 
 

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