Verband islamischer Kulturzentren denkt über Klage gegen Stadt Duisburg nach

Gregor Herberhold
Das Modell für das geplante, jetzt aber von der Stadt abgelehnte Kultur- und Gebetszentrum des VIKZ in Duisburg-Walsum. Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
Das Modell für das geplante, jetzt aber von der Stadt abgelehnte Kultur- und Gebetszentrum des VIKZ in Duisburg-Walsum. Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
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Duisburg. Wie der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) mit der Ablehnung des Bauantrags für ein 4200 qm großes Kultur-, Bildungs- und Gebetszentrums mit angeschlossener Herberge für 60 Personen in Walsum umgehen wird, steht noch nicht fest.

Erst durch unsere Veröffentlichung am 9. September erfuhr die Dachorganisation Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) in Köln von dem Beschluss der Stadt Duisburg. Der besagt, dass die Verwaltung den Bau des islamischen Kulturzentrums mit Vereins-, Gebets- und Unterrichtsräumen an der Römerstraße 293-295 in Duisburg-Vierlinden aus formellem Grund ablehnt. Es fehlen Parkplätze.

Wegen der überörtlichen Bedeutung der geplanten Anlage verlangt die Stadt 133 Stellplätze, der VIKZ kann aber nur 59 bieten. Für die Ablehnung des Bauantrags muss der Islam-Verband 18.266,50 Euro zahlen, und zwar bis zum 23. September. Bis zu dem Datum müsste in Köln also auch eine Entscheidung fallen, ob gegen den Beschluss geklagt werden soll. Das Ergebnis will der VIKZ bekanntgeben.

„Sehr religiös, sehr aufmüpfig“

Unabhängig davon wehrt sich der Verband gegen den im Jahr 2008 bekanntgewordenen Vorwurf, er sei ein „Verein mit zwei Gesichtern“, der mitunter für eine antidemokratische Erziehung stehe. „Die Uni Duisburg-Essen hat uns bescheinigt, dass wir das nicht sind“, sagt VIKZ-Sprecher Erol Pürlü. Er verweist auf eine Untersuchung von Prof. Ursula Boos-Nünning aus dem Jahr 2010, wonach diese Vorwürfe unhaltbar seien. Der VIKZ hatte die Arbeit in Auftrag gegeben, um die pädagogische Arbeit in all seinen Wohnheimen checken zu lassen.

Prof. Boos-Nünning, die dem Islam grundsätzlich offen begegnet, hat durchaus Dinge entdeckt, die verbesserungsbedürftig seien – etwa das Mitbestimmungsrecht der Schüler in diesen Einrichtungen. Als antidemokratisch stuft sie die Unterrichts- und Wohnheime allerdings nicht ein. Sie erklärt aber, dass die Einrichtungen von „sehr religiösen“ Menschen besucht werden, die andererseits „sehr aufmüpfig“ seien. Ihr Fazit zu den VIKZ-Einrichtungen: „Eigentlich sollte jeder froh sein, dass die Migranten ihre Bildung selbst in die Hand nehmen.“ Zumal sich die Ergebnisse sehen lassen könnten.