Thierfeld will mehr Teamarbeit in Hamborner SPD-Fraktion

Der neue Sprecher der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Hamborn: Volker Thierfeld. Foto: Fabian Strauch / FUNKE FotoServices
Der neue Sprecher der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Hamborn: Volker Thierfeld. Foto: Fabian Strauch / FUNKE FotoServices
Der 57-jährige Sozialdemokrat löste als Sprecher der Hamborner Bezirksfraktion Sebastian Haak ab, der in den Stadtrat aufgerückt ist. Beim FOC-Projekt will er im Zweifelsfall ein, „Ende mit Schrecken“

Hamborn..  Die SPD-Bezirksfraktion hat einen neuen Sprecher. Volker Thierfeld (57) hat Sebastian Haak abgelöst, der in den Rat nachgerückt ist (wir berichteten).

Der neue SPD-Sprecher will die aus seiner Sicht bewährte Arbeitsweise seiner Fraktion fortführen, baut aber auf mehr Teamarbeit. Und er verlangt von der Stadtverwaltung in Sachen Factory Outlet Center (FOC) auf dem Gelände der Rhein-Ruhr-Halle Klarheit.

„Wird es noch was oder nicht?“, fragt er. Denn was da an neuen Sicherheits-Überlegungen bekannt werde, wundert ihn. „Ich halte Vorschläge, Besucher durch Folien vor möglichen Störfällen bei Grillo zu schützen, für abenteuerlich.“ Nach der jahrelangen Verzögerung des Projekts sei der Zeitpunkt gekommen, wo man sagen müsse: „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!“ Dann sollte man das Aus aber zügig verkünden.

Ganz oben stehen für Thierfeld auch die Probleme von Marxloh. Zwar würden überörtliche Medien die Situation stark verzerrt darstellen. „Aber die Lage ist alarmierend.“ Da sei es ermutigend, dass es eine fast unüberschaubare Vielfalt an Hilfsangeboten für Zuwanderer gebe. Nur würden sie meist bloß vorübergehend finanziell gefördert. „Wir müssen diese Hilfsangebote aber nachhaltig gestalten“, fordert er. Vor allem komme es darauf an, dauerhaft qualifizierte Arbeits- und Ausbildungsplätze für diese Menschen zu schaffen.

„Aber die politischen Entscheidungen dafür werden nicht in der Bezirksvertretung (BV) getroffen“, gibt Thierfeld zu bedenken. So müsse auch noch einmal geprüft werden, wo noch Ansiedlungsflächen für Gewerbe sind, fordert der neue SPD-Sprecher. Beim endgültigen Aus für das FOC biete sich diese Fläche an.

Ganz viel verspricht der Obermarxloher sich davon, die Herbert-Grillo-Gesamtschule zur Stadtteilschule auszubauen. „Schule wird dadurch nicht nur Lernort, sondern auch Lebensort.“ Die Schule sei die Garantie für eine beständige Arbeit.

Lob für die Verwaltung

Erfreut zeigt sich Thierfeld vom Zusammenleben der Asylbewerber im ehemaligen St.-Barbara-Hospital mit der Nachbarschaft. „Wenn es einmal Probleme für Nachbarn gibt, sollten sie sie konkret der Stadtverwaltung oder uns Mandatsträgern melden, damit für Abhilfe gesorgt werden kann“, bittet er.

Sonst würden unsinnige Gerüchte die Runde machen und die Flüchtlinge in ein schlechtes Licht stellen, wie vor einiger Zeit. Da habe, so Thierfeld, die Unterkunft Kleiderspenden wegen unpassender Größen abgelehnt, woraufhin die Spender die Säcke damit vor der Unterkunft liegengelassen hätten. Die Sachen hätten also dort herumgelegen und in der Nachbarschaft habe es dann geheißen, die Asylbewerber seien derart anspruchsvoll, dass sie sogar solch gut Erhaltenes wegwerfen würden.

Erfreut zeigt der SPD-Politiker sich über die jüngsten Erfolge gegen die Raser-Szene auf der Duisburger Straße: „Der lange Kampf hat sich gelohnt. Die beschlossenen Maßnahmen greifen. Das ist auch ein Verdienst der Bürgerinitiative.“

Als Pluspunkt wertet Thierfeld die Arbeitsweise von SPD und rot-rot-grüner Koalition in der BV. Es gelinge gut, Anliegen von Bürgern in Anträge umzusetzen, etwa zu Verkehrsfragen. Die Verwaltung reagiere zügig darauf.

Innerhalb seiner SPD-Fraktion kann Volker Thierfeld über fehlende Diskussionsbereitschaft nicht klagen. Er versteht sich als Moderator. „Ich will Anstöße geben, setze aber darauf, dass wir als Team zu Lösungen kommen“, sagt er. Außerdem soll die Bezirksfraktion künftig nach außen mehr Profil zeigen.

Was die Diskussionsfreudigkeit in der Bezirksvertretung selbst angeht, sieht Volker Thierfeld die CDU am Zug. „Wenn sie sich nicht meldet, ist es ihre Sache. Ich kann keine Gegensätze kon­struieren, wo es sie nicht gibt.“

Lehrer an Krankenpflegerschule

Volker Thierfeld ist 2011 für Christoph Flora in die Bezirksvertretung nachgerückt. Zur SPD fand er erst spät, 2005. „Ich bin aber schon als Schüler am Clauberg-Gymnasium politisch interessiert gewesen“, erzählt der Familienvater. So engagierte er sich in der Schülervertretung des Hamborner Gymnasiums, das mittlerweile geschlossen wurde.

Seinen beruflichen Werdegang prägte die Leidenschaft für zwei zunächst völlig widersprüchliche Tätigkeiten: den Lehrerberuf und die Krankenpflege. Nach dem Abitur studierte er zunächst Sozialwissenschaften und Geschichte auf Lehramt, brach das Studium aber kurz vor dem Examen ab, als er eine Ausbildungsstelle als Krankenpfleger in der Klinikum Niederrhein bekam. Als Zivildienstleistender dort war er auf den Geschmack gekommen.

2003 nahm er noch einmal ein Studium auf: Pflegepädagogik. Und dank dieses Abschlusses kann er seit 2007 auch als Lehrer arbeiten, an einer Krankenpflegeschule in Neuss.

15 Jahre lang hat Volker Thierfeld als Krankenpfleger in der Unfallklinik in Buchholz Dienst getan. Er engagierte sich in Personal- beziehungsweise Betriebsrat und kam so in Kontakt zu anderen Gewerkschaftern. Der Einsatz für die Rechte von Arbeitnehmern führte ihn letztlich in die SPD.

Bis heute liegt ihm die Gesundheitspolitik am Herzen. Die SPD macht sich seinen Sachverstand zunutze, indem sie ihn als beratendes Mitglied in den Sozialausschuss des Rates entsendet hat.

 
 

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