Theatertage im Zeichen der Freiheit

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Theatergruppen arbeiten NS-Gräueltaten auf ihr Weise auf. Das Sophie-Scholl-Berufskolleg gedenkt seiner Namensgeberin mit Schattenspielen.

Marxloh..  Dunkelheit beherrscht den Saal, hüllt ihn in eine düstere, unheilschwere Stimmung. In der Mitte stehen zwei Stühle und ein schlichter Tisch mit einem antiken Telefon. Spätestens beim Auftritt eines Gefängniswärters mit Hakenkreuz-Banderole um den Oberarm erkennt das Publikum: Hier handelt es sich um schwere Kost, von Schülern des Sophie-Scholl-Berufskollegs auf die Bühne gebracht.

Die Marxloher Theatertage, vom Jugend- und Kulturzentrum Kiebitz und dem RIZ-Regionalzentrum Nord organisiert, standen am zweiten Tag ganz im Zeichen der Aufarbeitung der NS-Diktatur. In „Die Anderen“ verarbeiteten Jugendliche ihre Gedanken, Gefühle und Erlebnisse eines Besuchs des Konzentrationslagers Auschwitz.

„Von Maxi bekamen wir das Angebot zum Gedenkstättenbesuch in Auschwitz“, erzählt Yasin Üstünay (18), einer der Darsteller. „Die Erlebnisse und Gedanken schrieben wir in ein Tagebuch, diskutierten diese und machten ein Stück daraus.“ Unterstützung bekamen er und seine Mitschüler Muhammed Saat, Mustafa El-Chami (beide 18) und Yusef Chahim (17) von Maximilian Winterseel und Marina Gerber von der Offenen Jugendarbeit in Neumühl. Das Stück wird am 14. Juli um 17 Uhr in der Merkez Moschee erneut aufgeführt werden.

Kemal Demir kombiniert Theater mit Schattenspiel

Das zweite Stück des Tages, „Für die Freiheit“, führten 17 Schüler und Schülerinnen des Sophie-Scholl-Berufskollegs auf.

Sprung zurück ins München des Jahres 1943, als Sophie Scholl und ihr Bruder Hans als Köpfe der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ beim Verteilen von Flugblättern festgenommen wurden. Die Geschwister wurden verhört – wovon das Stück handelt – gefoltert und nach einem Schauprozess hingerichtet.

Unter der Leitung des Regisseurs Kemal Demir kombinierten die Schüler konventionelles Theater mit Schattenspiel und akustischen Elementen. Sie schufen ein Stück, das noch lange im Gedächtnis nachhängen wird.

Das Stück selbst war von der Gruppe bereits vor den Theatertagen für den schulinternen Sophie-Scholl-Gedenktag erarbeitet worden. Mit Bravour meisterten die Darsteller „ihr“ Werk und ernteten begeisterten Applaus.

„Ich empfinde es immer wieder als ein tolles Erlebnis zu sehen, wie intensiv sich junge Menschen mit ihrem Werk identifizieren“, sagt Müjgan Bayur, Geschäftsführerin des Kiebitz. Kornelia Sommer vom RIZ war fasziniert von den tollen Entwicklungen, welche die Darsteller zwischen den Proben und den Aufführungen durchliefen.

 

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