Theater im Altenheim

Foto: Michael Dahlke

Mittelmeiderich..  Zwei ältere Damen wetten um einen Karton Dominosteine, ein 20-Jähriger tanzt mit seiner rund sechzig Jahre älteren Flamme zu Lambada-Rhythmen und die Technik beklagt sich über zu viel Einsatz ihrer Bandscheiben. Das ist generationenübergreifendes Theater. Um mit Vorurteilen über Jugendliche und Senioren aufzuräumen, haben sich Bewohner des Seniorenzentrums St. Elisabeth und Schüler des Sophie-Scholl-Berufskollegs zusammengetan. In wochenlanger Probenarbeit haben sie ihre eigene Version eines Shakespeare-Klassikers erarbeitet: Romeo und Gisela.

Gemeinsam bringen die drei Seniorinnen über 250 Jahre Lebenserfahrung mit in ihre dramatische Auseinandersetzung. Ihre Neugier ist jedoch ungebrochen. Pogo? Was soll das denn sein? Und was genau macht man als Jugendlicher Punk eigentlich den ganzen Tag?

Systemkritischer Altenpfleger

Solche und ähnliche Fragen beschäftigten Klara Zellmann (82), Margret Rubusch (92) und Gertrud Kämling (88) in den vergangenen Wochen. Rede und Antwort stand ihnen der 24-jährige angehende Erzieher Tobias Zeitler, der in seine Interpretation des Romeo als systemkritischer Altenpfleger, viel eigene Erfahrungen einbrachte.

„Müssen wir uns jetzt für die Disko anziehen?“, fragt Klara Zellmann alias „Gisela“. Die letzten Abläufe werden kurz vor der Generalprobe feinjustiert. „Nein noch nicht, erst muss ich mal das Abendessen abräumen“, Romeo tut pflichtbewusst. Mit der quirligen Gisela will er das Nachtleben erkunden, obwohl die beiden mehrere Jahrzehnte trennen. Wie dieser Tollkühne Plan endet entscheidet sich bei der Premiere am Samstag, 25. Januar, im Gemeinschaftssaal des Seniorenzentrums.

Die gemeinsame Arbeit hat allen beteiligten so viel Freude bereitet, dass es bereits Pläne zur Wiederholung gibt. „Unser nächstes großes Ziel ist, auf einer richtigen Bühne zu spielen“, erzählt Deutschlehrerin Rita Glaser, die das Projekt von Seiten des Berufskollegs betreut hat. Im Seniorenzentrum zu spielen sei für den Anfang zwar gut, jedoch biete der Saal einfach nicht genug Platz für Zuschauer.

Barrierefreiheit für die Gäste

„Wenn wir einen anderen Spielort wählen, müssen wir nur die Barrierefreiheit sicherstellen“, gibt Sozialdienst-Leiter Daniel Platt zu bedenken. Er hatte das Generationentheater „SuE“ ins Leben gerufen und mimt im Stück den emsig telefonierenden Heimleiter „Dr. Gustav Leitheim“.

 
 

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