Steag schweigt zur Zukunft der Hubbrücke in Duisburg-Walsum

Von Christian Balke
Die Zukunft der derzeit gesperrten Walsumer Hubbrücke ist auch nach der Sondersitzung der Bezirksvertretung Walsum weiter in der Schwebe.
Die Zukunft der derzeit gesperrten Walsumer Hubbrücke ist auch nach der Sondersitzung der Bezirksvertretung Walsum weiter in der Schwebe.
Foto: WAZ FotoPool
Nur wenige Konkretes kam in der Sondersitzung der Walsumer Bezirksvertretung vom Energiekonzern Steag zur Zukunft der Hubbrücke. Doch in zwei Dingen ist sich die Steag sicher: Sie will weder die ansässige Wirtschaft für etwaigen Verdienstausfall entschädigen, noch die Brücke auf eigene Kosten in Stand setzen lassen.

Duisburg-Walsum. Politiker und Bürger hatten gehofft, der Energiekonzern Steag werde in der Sondersitzung der Walsumer Bezirksvertretung konkrete Lösungsvorschläge für das Hubbrücken-Dilemma auf den Tisch legen. Vom Brückenbesitzer Steag kam freilich wenig Konkretes.

Für Fußgänger und Radfahrer soll die vor Wochenfrist gesperrte Hubbrücke über den Walsumer Nordhafen in spätestens vier Wochen vorläufig wieder geöffnet werden. Darüber hinaus sieht sich die Steag, die am Montagnachmittag im Walsumer Rathaus durch Dr. Wolfgang Konrad vertreten wurde, keineswegs in der Pflicht.

Prüfung der Verträge kann lange dauern

Nicht in der Pflicht, um gewerbliche Anlieger wie den Hövelmann Getränkehandel, die Rheinfähre und ein bekanntes Fischrestaurant für einen etwaigen Verdienstausfall zu entschädigen: „Die Gewerbetreibenden sind doch alle weiter über das öffentliche Straßennetz erreichbar“, sagte Konrad, der beim viertgrößten deutschen Stromproduzenten zuständig ist für Neubauprojekte und Standortentwicklung. Wofür solle man die Unternehmen denn entschädigen?

Ebenso wenig sieht Konrad sein Unternehmen verpflichtet, die gesperrte Hubbrücke auf eigene Kosten wieder in einen voll funktionstüchtigen Zustand zu versetzen: „Wir prüfen gerade intensiv das aktuelle Vertragswerk und ältere Verträge, um zu ergründen, welchen Verpflichtungen wir hier de facto unterliegen.“ Dies, sagte Konrad, könne lange dauern, denn die Vertragswerke seien teilweise alt und sehr umfangreich.

„Große Koalition der Zornigen“

Dies waren die einzigen konkreten Aussagen, die Konrad den Bezirksvertretern, rund 50 Bürgern im restlos gefüllten Saal und den bei der Sondersitzung anwesenden Journalisten ins Stammbuch schrieb. Ansonsten sah der Steag-Mann sich gemüßigt, hochkomplexe technische Details des anhaltenden Brückenverfalls zu umschreiben und den Anwesenden Nachhilfe in Betriebswirtschaftslehre zu erteilen.

Die Reaktion war fraktionsübergreifende Empörung, Konrad war in einer angespannten Atmosphäre teils heftigen persönlichen Angriffen ausgesetzt.

SPD, CDU, Grüne, Linkspartei und FDP bildeten in der Folge eine in der Form wohl noch nie da gewesene „Große Koalition der Zornigen“, angeführt von einem wütenden Bezirksbürgermeister Heinz Plückelmann. Einhellige Forderung der Politik an den Steag-Vorstand in Essen: Die Steag müsse schnell, gründlich und auf eigene Kosten die Hubbrücke reparieren. Dies wurde in einer gemeinsamen Resolution fraktionsübergreifend formuliert.

Gemeinsame Resolution

Diese ist an die Steag und Oberbürgermeister Sören Link (SPD) gerichtet. Hier der Wortlaut:

„Die Bezirksvertretung Walsum spricht sich für den Erhalt der Hubbrücke Walsum in ihrer ursprünglichen Form aus (Pkw, Radfahrer und Fußgänger).

Die Bezirksvertretung Walsum fordert die Steag GmbH auf, unverzüglich die Sanierungspläne oder eine Alternativplanung unter Beachtung des Denkmalschutzes und der Nutzung der Brücke für Pkw, Radfahrer und Fußgänger vorzulegen.

Die Duisburger Verkehrsgesellschaft AG wird gebeten, zu prüfen, ob für die Übergangszeit eine vorübergehende Haltestelle an der Fähre eingerichtet werden kann.

Der Oberbürgermeister wird beauftragt, im Sinne dieser Resolution kurzfristig Gespräche mit der Geschäftsleitung der Steag GmbH aufzunehmen.“

Dr. Wolfgang Konrad nahm es gelassen zur Kenntnis.

Steag führte Gutachter-Sanierungsplan nicht aus 

Ein Vorwurf, der von Seiten der Walsumer Politik in den vergangenen Tagen nach der Schließung der baufälligen Hubbrücke im Raum stand, wird durch einen Blick in ein aktuelles Gutachten zum Zustand der Brücke bestätigt: Die Steag hat tatsächlich in den vergangenen Jahren nicht ansatzweise alle Mängel an der Brücke beseitigt, die gutachterlich seit 2008 festgestellt wurden.

Dies geht aus dem Gutachten eines Ingenieurbüros hervor, welches schließlich Freitag, 12. Oktober, zur Brückenschließung führte.

In dem der Redaktion vorliegenden Gutachten wird der Steag unter dem Punkt „Vorgeschichte“ seitens der Gutachter wörtlich bescheinigt:

„Bei der Hauptprüfung 2008 wurde ein sehr schlechter Allgemeinzustand der Hubbrücke Walsum festgestellt. Dieser wurde ... 2011 bestätigt bzw. teilweise hat sich der Zustand der Brücke weiter verschlechtert. Im Anschluss an die Hauptprüfung 2008 wurde ein ... Instandsetzungskonzept inklusive Schadensbewertung, Maßnahmenempfehlungen und Kostenschätzung ... ausgearbeitet.

Das Instandsetzungskonzept wurde nicht bzw. nur teilweise umgesetzt, das Bauwerk weist weiterhin gravierende Mängel/Schäden auf.“

Die Steag bestätigte dies im Rahmen der Bezirksvertretungs-Sitzung.