Schienenwerk - Kampf geht weiter

Martin Kleinwächter
Foto: Kerstin Bögeholz

Duisburg-Bruckhausen. Notgedrungen haben sie mit der Geschäftsleitung des TSTG-Schienenwalzwerks einen Sozialplan ausgehandelt. „Weil wir sonst einen weit schlechteren nach gesetzlichen Standards bekommen hätten“, sagen die Betriebsräte Heinz-Georg Mesaros (Vorsitzender) und Kenan Ilhan (Vize).

Aber sie kämpfen weiter für den Erhalt, warnen vor den Nachteilen der Schließung für die Schienenversorgung und damit den Steuerzahler. Zum Jahresende sollen in dem zum österreichischen Voest-Alpine-Konzern gehörigen Werk die Lichter ausgehen.

Das einzige Werk seiner Art im Lande

„Das Wort ,sozial’ in ,Sozialplan’ führt in die Irre“, sagt Heinz-Georg Mesaros. „Sozial wäre einzig der Erhalt der Arbeitsplätze.“ Denn vielen der Kollegen drohten schmerzhafte Rentenabschläge oder gar der soziale Abstieg.

Dabei sei das einzige Werk seiner Art im Lande für eine sichere, hochwertige Schienenversorgung unverzichtbar, sind die Betriebsräte überzeugt, auch bei den Straßenbahnen. Sie wundern sich, dass ein Vorstoß der Linkspartei im Bundestag, das Werk in den DB-Konzern aufzunehmen, bislang chancenlos ist.

TSTG liefern Schienen just-in-time

Das mit dem Hinweis auf die freie Marktwirtschaft abzulehnen, sei eine Farce. Seit den 90er Jahren habe es unter den führenden Schienenherstellern Preisabsprachen ge­geben. 2010 flog das Kartell auf. Zur Zeit werde mit der Bahn über Schadensersatz prozessiert. „Die DB hat die überhöhten Preise jahrelang gezahlt“, wundern sich die Betriebsräte. Ihr alleine würden die Österreicher das Werk verkaufen. Mesaros: „Verschenken wäre günstiger als die Stilllegung.“

„Was mit der Schließung auf dem Spiel stehe, scheinen die Politiker noch nicht begriffen zu haben“, so Kenan Ilhan. Denn TSTG liefere Schienen just-in-time, also zeitgerecht, um den Verkehr durch Gleisbaustellen so wenig wie möglich zu behindern. Das sei den Konkurrenten aus Frankreich, Spanien oder Polen logistisch niemals möglich.

120 Jahre Know-How gingen verloren

„Die bislang benutzten Transportwaggons“, so Mesaros, „sind nur im Inland zugelassen.“ Und dann seien noch Qualitätsprobleme zu befürchten. „Sie werden sich das außerdem fürstlich bezahlen lassen“, vermutet er. Würde die Konkurrenz übernehmen, gebe es eine neue marktbeherrschende Stellung. Von wegen freier Markt.

„Wer unser Werk übernimmt, kann damit nichts falsch machen“, sagt Kenan Ilhan. Ein hochprofitabler Betrieb, de ssen Schließung nicht nachvollziehbar sei. 120 Jahre Know-How gingen verloren. Ilhan und Mesaros können nicht verstehen, wieso zwar das Gleisnetz unter der DB Netz AG unbedingt öffentlich bleiben muss, die Übernahme der Gleisproduktion aber ein Tabu sei.