Röttgersbacher wollen Spielplatz statt Asylbewerberheim

Christian Balke
Harte Diskussion: Dutzende Anwohner erwarteten Uwe Heider (Mitte) und Genossen an der Kopernikusstraße.
Harte Diskussion: Dutzende Anwohner erwarteten Uwe Heider (Mitte) und Genossen an der Kopernikusstraße.
Foto: Balke
SPD-Politiker aus Bund, Land und Bezirk stellten sich den Anwohnern an der Kopernikusstraße. Die wollen kein benachbartes Asylbewerberheim und glauben, gute Gründe dafür zu haben

Röttgersbach.  Als eine Frau ihn bittet, er möge doch nicht alle Bulgaren „stigmatisieren“, zumal die als EU-Bürger ohnehin überall wohnen dürften, wird es dem wütenden, breitschultrigen Mann mit den vielen Tätowierungen zu bunt – oder zu kompliziert. Er schreit irgend etwas, wie: „Bulgare . . ., Knüppel . . . , kloppen . . .“ Was Kopfschütteln bei den Umstehenden auslöst und seine Lebenspartnerin veranlasst, den Zornigen heim zu schieben.

Abgesehen von dieser Randerscheinung war es eine sachliche, harte und ungeschminkte Diskussion, die am Samstagnachmittag in Höhe der Hausnummer 120 an der Kopernikusstraße stattfand.

Relativ spontan hatte sich am Freitag eine Delegation ranghoher SPD-Politiker entschieden, den Bürgern in Röttgersbach einen Besuch abzustatten. Dort soll auf einem ungenutzten Grundstück der Stadt, zwischen Kopernikusstraße- und Holtkamp eine Asylbewerberunterkunft entstehen.

Der Bundestagsabgeordnete Mahmut Özdemir, der Röttgersbacher Landtagsabgeordnete Frank Börner, der auch nebenan wohnt, Bezirksbürgermeister Uwe Heider und die beiden Bezirksvertreterinnen Martina Hermann und Jennifer Metzlaff wurden vor Ort bereits von 50 bis 60 Anwohnern erwartet.

„Wir haben diese Ecke hier 15 Jahre lang zu einem lebenswerten Flecken gemacht“, sagte einer der Anwohner und brachte die Stimmung an der Schnittstelle von Röttgersbach, Obermarxloh und Neumühl auf den Punkt, „und jetzt wird es uns so gedankt!“ Früher sei dieser Teil der Kopernikusstraße als „asozial“ verschrien gewesen, sagen die Anwohner: „Heute leben hier junge Familien mit ganz vielen Kindern. Warum wollen sie die Asylanten ausgerechnet zu uns schicken?“

Andere sagen, dass sie in ihren Häusern, die der städtischen Gebag gehörten, seit Jahren für einen neuen Spielplatz für die Kinder kämpften: „Die haben hier ja sonst nix! Aber statt Spielplatz sollen wir Asylbewerber bekommen.“

Kritik einstecken muss speziell Uwe Heider. Bürger werfen ihm vor, dass er nach Wahlen nicht mehr zu dem stünde, was er vorher gesagt habe. „Stimmt nicht“, sagt Heider, außerdem habe nicht er den Platz für das Asylbewerberheim ausgesucht, sondern eine Delegation der Stadt, geleitet vom Sozialdezernenten: „Aber ich bin jetzt hier, um mit ihnen darüber zu diskutieren. Außerdem: Wenn ich eine Meinung habe, dann stehe ich auch dazu.“

Es sei noch nichts endgültig entschieden, sagt Mahmut Özdemir: „Wir nehmen ihre Argumente zur Kenntnis und lassen die in die Suche nach einer Lösung einfließen. Sonst wären wir nicht hier.“

Ganz abgesehen von der geplanten Asylbewerber-Unterkunft, sagt Frank Börner, werde er sich mit den Genossen mal Gedanken über die Spielplatz-Situation machen: „Da hätten sie ruhig mal früher zu uns kommen können.“