Retriever-Rüde Quedo aktiviert erloschene Sinne

„Hier hast du ein Leckerchen“: Stefan Knobel mit Therapiehund Quedo am Bett einer Beecker Heimbewohnerin.
„Hier hast du ein Leckerchen“: Stefan Knobel mit Therapiehund Quedo am Bett einer Beecker Heimbewohnerin.
Foto: Lars Fröhlich
Der Therapiehund findet im Beecker Seniorenheim einen Zugang zu Menschen, zu denen sonst niemand mehr Zugang finden kann.

Beeck..  Als Reporter und Fotograf das Zimmer betreten, zieht die alte Dame im Bett die Decke über die Nase, wendet ihren Blick ab, der ins Leere zu starren scheint.

Seit vier Jahren ist die Frau bettlägerig, leidet unter fortgeschrittener Demenz. In ihrer Gedankenwelt, sagt Anja Schmid, Sprecherin der Ev. Altenhilfe Beeck, lebt die Frau in den 1930’er Jahren. Vertraute Menschen erkennt sie nicht.

Dann setzt Stefan Knobel den vier Jahre alten Golden-Retriever-Rüden Quedo ans Bett und plötzlich geschieht so etwas wie ein Wunder. „Ach, da ist der Hund wieder, der liebe Hund“, sagt die Frau und beginnt, den Kopf des Tieres zu streicheln, „du hast so ein seidig-weiches Fell. Gib mal Pfötchen“

Dann erinnert sie sich daran, dass sie Quedo vor einigen Tagen mit Fleischwurst gefüttert hat. Stefan Knobel reicht ihr Wurst und Quedo bekommt ein Leckerchen: „Die Wurst ist aber kalt. Die letzte war wärmer. Ist die nicht zu kalt für ihn?“ fragt die Frau, die im Kontakt mit Quedo ganz im Hier und Jetzt angekommen ist. Als Quedo mit journalistischem Anhang das Zimmer verlässt, winkt die vor Minuten noch versteinert wirkende Dame lachend hinterher.

Als hätte das Tier eine Tür geöffnet, durch die Menschen bei der alten Dame schon lange nicht mehr gehen können.

„So kann man es sagen“, sagt der 39-jährige Düsseldorfer Knobel, der seit März in der Abteilung Soziale Betreuung der Altenhilfe arbeitet. Menschen, wie die demente alte Frau, oder auch Personen, die an depressiven Stimmungen leiden , erlebten durch Quedo Momente, in denen sie wieder sinnliche Empfindungen wahrnehmen könnten: „Quedo schafft es auch, spastische Verspannungen zu lösen. Besser als jeder Masseur“, lacht Knobel, der vor seiner Zeit in Beeck gemeinsam mit Quedo schon mit schwerbehinderten Kindern zusammengearbeitet hat.

Quedo, was im Spanischen „der Stille“ bedeutet, ist seit dem Welpenalter bei Knobel. Als der Hund ein Jahr alt war, wurden er und sein Herrchen beim Verein für Therapie- und Behindertenbegleithunde in Lindberg ausgebildet.

Begleiter für schwerste Stunden

In Beeck arbeitet Knobel in Teilzeit. Wichtig ist ihm, dem Hund im Alltag seine Pausen und viel Auslauf zu gönnen: „Das, was sie gesehen haben, ist Arbeit für den Hund, es ist anstrengend.“

In Beeck wurde Quedo sogar als Begleiter für schwerste Stunden eingesetzt: „Als er sich neben eine schwer atmende Sterbende legte, beruhigte sich die Atmung der Frau, die Anspannung in ihren Körper löste sich sofort.“ Die Familie, sagt Knobel, sei ihm und Quedo heute noch dankbar.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel