Reden über Reihenhäuser

Setzt sich für den Erhalt ortstypischer Merkmale ein: Bezirksvertreter André Kazmierski (CDU).
Setzt sich für den Erhalt ortstypischer Merkmale ein: Bezirksvertreter André Kazmierski (CDU).

Es ist das größte Wohnungs-Neubauprojekt in Meiderich seit vielen Jahren, das Milchhof-Gelände. Zwar wurde es in der Bezirksvertretung ausführlich vorgestellt. Aber mit gestalterischen Vorgaben halten sich die Bezirksvertreter zurück. Zu wichtig ist vor allem der führenden SPD, dass die jahrzehntelange Brachfläche zwischen Herbst-, Lohengrin-, Sommer- und Paul-Bäumer-Straße endlich neu genutzt wird. Die Deutsche Reihenhaus-AG aus Köln will dort nach dem Abbruch der Milchhof-Gebäude 94 preiswerte Reihenhäuser in drei Größen errichten. Bedenken kamen bislang aus der CDU.

Bezirksvertreter André Kazmierski (30) ist selbst in der Wohnungswirtschaft tätig. Auch er freut sich, dass dafür endlich ein Investor gefunden wurde. Aber er sorgt sich zugleich um die Nachhaltigkeit des Projekts, dass es auch in 20 oder 30 Jahren noch attraktiv sein wird und nicht neue städtebauliche Probleme aufwirft.

„Vielleicht lässt der Investor ja mit sich reden“, hofft er. Seiner Ansicht nach gibt es da viel zu bereden.

„Wie kann man örtliche Identität erhalten bzw. schaffen?“, fragt der CDU-Politiker. Auffallend ist, dass die „Milchhof-Kleeblätter“ mehrfach in der Umgebung auftauchen, vor allem in der Waschbeton-Mauer, die das Gelände umgibt. „Kann man sie erhalten?“, fragt er. Kann man durch entsprechende Namengebung, „Milchhof-Wohnpark“ etwa, Identität mit der Vergangenheit stiften?

André Kazmierski ist überzeugt, dass die heutige strikte Trennung von Wohnen und Arbeiten künftig aufgebrochen wird. „Kann man Wohnen, Freizeit und Arbeiten am Ort miteinander kombinieren?“, fragt er. „Ist Platz auch für einen Bürostandort möglich?“ Erfahrungsgemäß vollzieht Deutschland Trends nach, die im angelsächsischen Raum entstanden sind.

Und dort beobachtet der Wohnungsfachmann eine Entwicklung hin zu Lebensabschnitts-Immobilien. „Ich wan­dere mit meinen Arbeitsverhältnissen“, sagt er, „und ich entwickle im Laufe des Lebens unterschiedliche Wohnbedürfnisse - vom Single über die Familienphase bis zum Alter jenseits der Fünfzig.“

Will man zum Beispiel barrierefrei bis ins hohe Alter wohnen, empfiehlt sich das Wohnen im Bungalow. Auch die Stellplatz-Problematik bereitet Kazmierski Sorgen. 1,1 Stellplätze pro Haus sind vorgesehen. „Ist das verträglich mit der Umgebung?“, fragt er. Selbst zwei Plätze pro Haus hält er für eng bemessen. „Sie sollten das Minimum sein“, sagt er. Denn eine künftige Abkehr vom Automobil kann er nicht erkennen.

Die SPD ist von der Qualität der geplanten Reihenhäuser auf dem Milchhof-Gelände überzeugt. Die CDU sieht es kritischer.

„Ist es wirklich so günstig?“, fragt CDU-Bezirksvertreter André Kazmierski. 185 000 € für den familientauglichen Haustyp zuzüglich Erwerbsnebenkosten, „da ergeben sich bei einer 100-%-Finanzierung monatliche Wohnkosten von rund 1000 €“. Das sei nicht preiswert. Zusammen mit den Kosten für Instandhaltung liege man über Mietniveau.

„Wie wertbeständig aber ist das gebildete Eigentum?“, fragt er. Das aber sei langfristig von einem Gleichgewicht bei Angebot und Nachfrage abhängig. Der Investor behaupte es. Für junge Familien und Singles stimme das sicher auch. Aber auch für die Generation 50plus? Auf eine lange Wohn- bzw. Mietdauer komme es an, „weil ich dann als Bewohner auch auf das Äußere wert lege“, so Kazmierski.

Der CDU-Mann ist sich sicher, dass die Reihenhäuser hier Käufer finden werden. Aber wie geht es dann weiter? Rechtlich wird es sich um Ei­gentumswohnungen handeln (wir berichteten). Kazmierski bezweifelt, dass in Eigentümerversammlungen von 150 Teilnehmern echte Selbstverwaltung der Gemeinschaft möglich sein wird. „Am Anfang ja“, sagt er, „wenn jeder Eigentümer mit sich selbst beschäftigt ist.“ Aber sobald Gemeinschafts-Angelegenheiten auftauchten, wenn Kosten entstünden, es unterschiedliche Sichtweisen gebe, werde es schwer, dort Mehrheiten zu organisieren. „Kann man alle Eigentümer zu einer energetischen Sanierung zwingen?“, stellt er in den Raum.

„Lieber auf ein paar Häuser verzichten, so dass jeder sein eigenes Flurstück hat statt ei­nes Sondernutzungsrechts“, rät er. Das Aufwendigste daran wäre die Grunddienstbarkeit für die geplante zentrale Energieversorgung auf jedem Grundstück.

„Der Teufel steckt im Detail“, warnt er. Aber es müsse unbedingt verhindert werden, dass das neue Viertel in 20 Jahren ein Auslaufmodell sei. „Es muss eine Win-Win-Situation für alle Seiten geben“, fordert Kazmierski, „vor allem für die Käufer der Wohnungen noch nach 20 Jahren.“

 

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