RAG will denkmalgeschützten Förderturm vom Bergwerk Walsum abreißen

Das stillgelegte Bergwerk Walsum: Drei Bauwerke sind denkmalgeschützt. Die Ruhrkohle will sie abreißen lassen. Foto: Friedhelm Geinowski
Das stillgelegte Bergwerk Walsum: Drei Bauwerke sind denkmalgeschützt. Die Ruhrkohle will sie abreißen lassen. Foto: Friedhelm Geinowski
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Duisburg-Walsum.. Die Ruhrkohle AG als Eigentümerin des Bergwerk-Geländes Walsum hat den Antrag an die Stadt gestellt, die denkmalgeschützten Bauwerke - Förderturm Schacht 1 nebst Maschinenhallen und Lüftergebäude - abreißen zu dürfen.

Bei ehemaligen Kumpeln, die mit Bauchschmerzen die Sprengungen von Gebäuden in den vergangenen Jahren miterleben mussten, löst die Nachricht Entsetzen aus. „Zumindest das Fördergerüst muss als Symbol der Industriegeschichte stehen bleiben“, sagt der ehemalige Bergwerks-Betriebsrat und SPD-Ratsherr Georg Berner auf Anfrage.

Kosten werden als unzumutbar bezeichnet

Der Antrag der Ruhrkohle stammt vom 25. Oktober, blieb aber bislang unter Verschluss. Auf zwei DIN-A-4-Seiten schildert die Aktiengesellschaft ihre Gründe, weshalb sie alle Gebäude dem Erdboden gleich machen möchte - und setzt die Stadt Duisburg am Ende massiv unter Druck: „Mit Blick auf die Tatsache, dass die Objekte im Hinblick auf betriebliche Belange entbehrlich sind, erachten wir Kosten, denen keinerlei Refinanzierung aus einer Nutzung der Objekte gegenübersteht, als unzumutbar. Wir müssen uns daher bereits jetzt vorbehalten, ein Übernahmeverlangen gemäß § 31 DschG (Denkmalschutzgesetz) zu stellen, sollte unser Antrag negativ beschieden werden.“

Originalzustand sei nicht annähernd erreichbar

Die Ruhrkohle AG führt aus, dass die Schachthalle nach Beendigung der „zulässigen Abbruchmaßnahmen über keine nördliche Außenwand“ mehr verfügt und „damit auf dieser Seite geöffnet ist“. Die Ruhrkohle sieht die Standsicherheit des Gebäudes gefährdet, weil die Windlast aufs Gebäude um ca. 60 % höher sei als bei einem geschlossenen Bauwerk. Um die Halle erhalten zu können, müsse zunächst „ein statisches Gutachten“ erstellt und die Wand dann sehr kostenintensiv geschlossen werden. Der Originalzustand sei dabei auch nicht nur annähernd erreichbar.

Zudem trägt die RAG vor, dass der Unterhalt der denkmalgeschützten Bauwerke nicht von Pappe sei: Rund 200.000 Euro pro Jahr veranschlagt der Bergbau dafür, und zwar allein, um „erhebliche sicherheitliche Risiken für unsere Mitarbeiter“ auszuschließen. Die halten sich wegen weiterer Arbeiten auf dem Gelände auf.

Eigentümer erlaubt keinen Zutritt zum Denkmal

Und schließlich noch ein Abriss-Argument: Um zu den Denkmälern zu gelangen, müsste man übers Kraftwerk-Gelände. Das aber erlaubt der Betreiber nicht: werksfremde Dritte erhielten grundsätzlich keinen Zugang, heißt es.

Inzwischen wird im Ortsteil spekuliert, ob die Gründe der RAG nicht nur vorgeschoben sind. „Soll vielleicht sogar das Kraftwerk eventuell erweitert werden?“ lautet eine bange Frage. Die Stadt Duisburg, der der Antrag seit rund drei Wochen vorliegt, wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung am Mittwoch nicht zur Sache äußern. Sie prüft das Schreiben.

Es gibt bereits Gerichtsurteile zum Thema „Unzumutbarkeit von Denkmalschutz“. Einem Urteil nach müssen sich die Eigentümer von Denkmälern die Frage gefallen lassen, warum der Erhalt für sie nicht zumutbar sein sollte. Ob dafür die jährlich von der Ruhrkohle veranschlagten 200.000 Euro Unterhaltungskosten ausreichen, wird notfalls ein Richter klären müssen.

Walsum

 
 

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