Radwerkstatt als Integrationsmodell

Christian Balke
Achim Arians, Zweiradmechanikermeister, mit Karl-August Schwarthans von der AWO-Integration und Klaus Hauschild vom  ADFC Vorstand.Foto: Kerstin Bögeholz /Funke Foto Services
Achim Arians, Zweiradmechanikermeister, mit Karl-August Schwarthans von der AWO-Integration und Klaus Hauschild vom ADFC Vorstand.Foto: Kerstin Bögeholz /Funke Foto Services
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Awo-Integration und Deutscher Fahrradclub ertüchtigen künftig Flüchtlinge, Fahrräder in Stand zu setzen. Werkstatt auf dem Bauspielplatz eingerichtet

Neumühl.  Mobilität ist eine der Hauptvoraussetzungen für Integration in eine Gesellschaft. Die Awo-Integrationssparte und der Duisburger Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) haben das erkannt.

Aus dieser Einsicht erwächst in Neumühl nun ein Projekt, mit dem die Beteiligten, „mehrere Fliegen mit einer Klappe“ schlagen wollen, wie Karl-August Schwarthans, Geschäftsführer der Awo-Integrationssparte, beim Pressetermin auf dem Bauspielplatz an der Neumühler Alexstraße sagte.

In einem Container haben Awo und ADFC eine Werkstatt eingerichtet, eine Fahrradwerkstatt. Hier werden künftig mehrere Bewohner von Flüchtlingsunterkünften dazu ertüchtigt, Fahrräder zu reparieren und in Stand zu setzen.

Zuständig für die Unterweisung der Freiwilligen ist Zweirad-Mechanikermeister Achim Arians, Technischer Beauftragter des Duisburger ADFC: „Ich werde die Leute so lange unterweisen, bis sie selbstständig in der Lage sind, alle erforderlichen Arbeiten zu erledigen“, sagt Arians, der neben alle Werkzeuge deren deutschen Namen in Druckbuchstaben geschrieben hat: „So werden die Flüchtlinge nicht nur lernen, wie die Werkzeuge funktionieren, sondern auch, wie sie heißen.“

Schmunzeln müssen ADFC-Vorstandssprecher Klaus Hausschild, Schwarthans und Arians, als ihr Blick auf die martialisch anmutende „Kettenpeitsche“ fällt: „Die heißt eigentlich Gegenhalter für Zahnkranzkassetten“, sagt Arians schmunzelnd, „da lassen wir es lieber erstmal beim umgangssprachlichen Ausdruck.“

Während Arians schraubt, Schwarthans und Hausschild sich um die Kopperationsvereinbarung und die Finanzierung des Projekts durch das NRW Integrationsministerium kümmern, kommt Harald Höbusch eine besonders spannende Aufgabe zu.

Der Mann wird Fahrrad-Fahrlehrer und Sicherheitsunterweiser der Flüchtlinge sein: „Viele dieser Menschen fahren vermutlich kein Fahrrad“, sagt Höbusch, „also werden sie es lernen müssen.“ Idealerweise so, dass sie am Straßenverkehr teilnehmen können: „Das ist das Ziel.“

Flüchtlingen können über den Tellerrand blicken: „So ermöglichen wir den Menschen auch, ihren Stadtteil zu verlassen.“ Außerdem, so Schwarthans, würden technische und sprachliche Kompetenzen vermittelt. Ein Projekt mit Vorbildcharakter?

„Ja“, antworten Schwarthans und Hausschild wie aus einem Mund: „Meines Wissens nach sind wir der erste ADFC-Kreisverband, der so etwas auf die Beine stellt“, sagt der Fahrrad-Funktionär. „Für mich“, sagt Schwarthans, „ist es ein Schritt in Richtung ,Stadtteil-Räder’, die denen zu Gute kommen, die sich kein Neues leisten können.“