Pater holt Preis mit jungen Libanesen ab

Pater Oliver (2. v. re.) während der Notfall-Sprechstunde im Petershof. Hier werden Menschen behandelt, die in Krankenhäusern abgewiesen werden.
Pater Oliver (2. v. re.) während der Notfall-Sprechstunde im Petershof. Hier werden Menschen behandelt, die in Krankenhäusern abgewiesen werden.
Foto: Achim Pohl/Bistum Essen
Am 3. Dezember wird der Pater Oliver mit dem höchsten Integrationspreis der katholischen Bistümer geehrt. Der Geistliche hilft im Petershof armen Menschen und gefährdeten Jugendlichen.

Marxloh..  Am 3. Dezember verleihen die Bistümer der katholischen Kirche in Deutschland erstmals einen gemeinsamen Integrationspreis. Bekommen wird ihn Pater Oliver. Der Mann, der den Marxloher Petershof im Schatten der St.-Peter-Kirche, seit Jahren zu einem Ort der Zuflucht für die Ärmsten der Armen gemacht hat.

Ebenso am Herzen wie die mittellosen Menschen liegen dem Pater diejenigen Marxloher Jugendlichen, die Gefahr laufen, in Kriminalität abzugleiten.

Warum dies so ist, erklärte der gebürtige Mülheimer der Redaktion bei einem Hausbesuch im Petershof. Pater Oliver empfängt den Besucher im sozialpastoralen Zentrum Petershof mit einer Bitte: „Lassen sie uns spazieren gehen, ich muss frische Luft schnappen.“

Es wird eine längere Runde durch Marxloh, entlang der Weseler Straße und zahlreichen Seitengassen, in denen rumänische, türkische und bulgarische Sprachfetzen aus den Fenstern klingen. Immer wieder sprechen Jugendliche den Pater an, danken ihm und bekunden ihm Respekt.

„Es stimmt“, sagt der Pater, „wir haben hier viele Jugendliche, die straffällig geworden sind oder Gefahr laufen, mit dem Gesetzt in Konflikt zu geraten“, sagt der Pater. Diese jungen Menschen als Kriminelle zu stigmatisieren, sie zu reduzieren auf Mitgliedschaften in kriminellen Clans, sei zu kurz gegriffen: „Die Jungs wachsen in Marxloh ausgegrenzt auf, ihnen fehlt es an positiven Vorbildern und Perspektiven.“

Bei negativen Vorbilder, sagt der Pater, würden sie sich oft deren Verhaltensmustern anpassen: „Gibt man ihnen eine positive Vision, zeigt man ihnen Chancen auf, dann entwickeln diese Jungs sich ganz anders“, sagt er voller Überzeugung.

Im Petershof beschäftigt der Pater einige Jungen, die aus libanesischen Familien in Marxloh stammen. Mit Erfolg: „Ich bin total zufrieden. Je mehr man von ihnen fordert, desto besser werden sie.“ Das Vertrauen, das er in die jungen Männer setze, hätten diese ihm mit engagierter Arbeit schon vielfach zurück gezahlt.

Als Lohn, aber auch als klares Statement gegen die „No-Go-Area“-Debatte will der Pater verstanden wissen, dass ihn seine libanesischen Mitarbeiter zur Preisverleihung nach Berlin begleiten werden: „Einige Jungs kommen mit, die freuen sich schon total darauf.“

Der Ausflug nach Berlin ist nicht die erste Reise, die der Pater mit den libanesischen Jungs unternimmt: „Einige waren im Sommer mit auf unserer Kanu-Tour durch Schweden“, sagt der Pater lachend, „ohne Handy und Fernseher.“ Das habe den Burschen weit mehr abverlangt als der ach so harte Marxloher Alltag: „Auch das haben sie gepackt.“

Strahlender Leuchtturm statt Leuchtturm-Projekt

Ein Kommentar von Christian Balke

Hier schreibt einer, der vor Jahren noch dachte, dieser Marxloher Petershof werde sich in die lange Reihe gescheiterter Duisburger Leuchtturmprojekte einreihen.

Projekte, über die und in denen ganz viel erzählt wird, bevor sie dann irgendwann in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Weit gefehlt.

Das sozialpastorale Zentrum hat sich zu einem Leuchtturm christlichen Engagements entwickelt, dessen Licht weit über Duisburg hinaus bis nach Berlin strahlt.

Weil es Pater Oliver eben nicht um die Show geht. Ihm geht es um die Beantwortung drängender sozialer Fragen, auf die im Duisburger Norden die Politik schon lange keine Antwort mehr hat.

Dass die katholische Kirche den Pater für seine Arbeit ehrt, ist nur konsequent. Der Mann hat wahrlich jede Unterstützung verdient.

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