Osterfreuden für Demenzkranke in Meiderich

Sabine Agethen leitet den Sozialen Dienst im Bodelschwingh-Haus. Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services
Sabine Agethen leitet den Sozialen Dienst im Bodelschwingh-Haus. Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services
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Im Bodelschwingh-Haus nehmen demente Menschen am Osterfest und seiner Vorbereitung teil. Alte Traditionen leben auf, Erinnerungen werden wach.

Meiderich...  Die Tassen mit der Farbe stehen schon angerührt auf dem Tisch in der Wohnküche des Bodelschwingh Hauses, auf dem Herd brodeln die Eier im großen Topf.

„Sieben Minuten brauchen die“, sagt Sabine Agethen, die Leiterin des Sozialen Dienstes im Haus, „erinnert mich, dass ich die rechtzeitig runter nehmen.“ Agethen färbt mit einer Bewohnergruppe und ehrenamtlichen Helferinnen Eier fürs Frühstück am Ostersamstag.

Jedes der sechs Häuser für stationäre Pflege auf dem Gelände des evangelischen Christophorus-Werkes hat seine eigene Tradition für die Ostertage. Im Bodelschwingh-Haus leben 62 Bewohner, der Pflegeschwerpunkt liegt auf Menschen mit Demenz. „Haben sie ihren Sohn schon eingeladen?“ fragt Agethen eine Bewohnerin. Die nickt und lächelt.

Zum Osterfrühstück kommen auch viele Angehörige und Ehrenamtliche. Um 100 Leute satt zu kriegen, sind umfangreiche Vorbereitungen nötig. Die Deko ist fertig, die Einkäufe erledigt. Agethen stimmt die Bewohner durch allerlei Aktionen auf die schöne Osterzeit ein. „Mit Eierfärben sind wir nach heute durch“, sagt sie, „morgen backen wir Osterlämmer.“

Sie verteilt den nächsten Schwung Eier auf die Färbebäder. Konzentriert kullern die Bewohner ihr Ei herum, damit es von allen Seiten gleichmäßig Farbe annimmt. Beim Stichwort „Osterlämmer“ horchen sie auf. „Gibt es auch Lämmerbäuche?“ fragt eine Dame. „Klar, die sind doch das Beste am ganzen Backen“, findet Agethen.

Ein Grundrezept des Rührteiges reicht für zwei Lämmer und einen Hasen. Die werden in betagten Formen kopfüber gebacken und dann geschnitten. Übrig bleiben die warmen „Lämmerbäuche“, die sofort genossen werden.

„Wir sprechen mit unseren Gästen und nicht über sie“, steht als Erinnerung an alle Betreuer auf einem Zettel am Schrank. „Hat jemand nach unserem Osterstrauch draußen geschaut?“ fragt Agethen. Ein Bewohner weiß Bescheid: „Nur noch ein grünes Ei dran, den Rest hat sich der Sturm geholt“.

Mit den „Indoor“-Eiern sieht es besser aus. Abtrocknen und zurück in die Kartons. „Da fehlen aber zwei“, sagt eine Färberin streng. Eins hat Hund Lisa gekriegt, weil es angeknackst war und ein Probier-Ei musste ja auch sein. „War gut, fehlte bloß Maggi“, sagt der Ostereier-Tester sichtlich zufrieden.

„Das Osterfest ist auch hier weniger mit Erwartungen belastet als die Weihnachtszeit“, weiß Agethen, „ gerade für Menschen mit Demenz spielt die wiederkehrende Helligkeit eine große Rolle für die Lebensfreude. Wir starten gemeinsam in das neue Jahr, das kommt bei allen an.“

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