Organistin lässt sich auf die Tasten schauen

Foto: WAZ

Hamborn..  Organisten sind meist allein bei ihrer Arbeit und wissen die Abgeschiedenheit ihrer Orgelempore auch zu schätzen. Kreiskantorin Tiina M. Henke aber holt sich beim Orgelcafé in der Hamborner Friedenskirche schon zum 21. Mal ihre Zuhörer ganz nah heran, am Sonntag, 1. Dezember, 15 Uhr, in der Kirche an der Duisburger Straße 174.

„Man hört ja nicht immer alles gleich auf einmal“, sagt sie. Sie sitzt auf ihrer Orgelbank und um sie drängen sich auf der Empore der Friedenskirche knapp 40 Orgelfreunde. Denen hat sie erst mal ihre Orgelschuhe gezeigt. Die mit den schmalen, dünnen Ledersohlen, in denen das Pedal gut zu spielen ist. Sie öffnet die Holzjalousie vor dem Brustwerk direkt über ihrem Spieltisch. „Da sind die Solisten versteckt“, zeigt sie auf die kurzen Pfeifen. Ihre Erklärungen sind Anleitungen zur Steigerung des Hörgenusses. Auch musikalische Laien sollen profitieren. Bei gezielten Fragen läßt sie sich aber gerne verlocken, tiefer einzusteigen. Warum ist ein Stück, das ursprünglich für zwei Geigen geschrieben wurden, auf der Orgel schwer zu spielen? Warum kann Henke von der Orgelfassung von „Tears in Haeven“ nur dringend abraten? Sie verdeutlicht mit einem Beispiel die Unterschiede zwischen technischer Spielbarkeit und Wirkung. „Es hört sich einfach nicht so an, wie man es kennt“, sagt sie.“

Als das Concerto erklingt, dessen Noten Bach einst von Vivaldi bekam, folgen Henkes Zuschauer gebannt jeder Bewegung. Sie bespielt zwei Manuale teils über kreuz und das Pedal, registriert von Hand und blättert selbst.

Musiker sind Perfektionisten. Am Anfang der Orgelcafé-Reihe hat es sie ein wenig Überwindung gekostet, sich so in den Mittelpunkt zu stellen. Inzwischen überwiegt die Freude daran, ihre Musik unmittelbar zu teilen. Ihr Publikum weiß das zu schätzen.

 
 

EURE FAVORITEN