Massiver Protest gegen Factory Outlet Center setzt sich fort

Martin Krampitz
Bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der Kreuzeskirche Marxloh standen die Zeichen auf Sturm. Foto: Udo Milbret/WAZ FotoPool
Bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der Kreuzeskirche Marxloh standen die Zeichen auf Sturm. Foto: Udo Milbret/WAZ FotoPool
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Duisburg-Hamborn. Es liegt in der Natur von Konflikten, dass sie sich zuspitzen, je länger sie dauern: Bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der Kreuzeskirche Marxloh standen die Zeichen auf Sturm. Helmut Mattern, Sprecher der BI, machte unmissverständlich klar: „Wir wollen nicht umziehen. Wir wollen in der Zinkhüttensiedlung wohnen bleiben.“

Mattern richtete auch einen Appell an die Kommunalpolitiker: Wir brauchen kein sozialverträgliches Umzugsmanagement. Wir sind hier und wir bleiben hier.“ Donnernder Applaus von den Kirchbänken.

Am kommenden Dienstag, wenn in der Clauberg-Halle auf Einladung des Bezirksbürgermeisters über die Outlet-Pläne informiert und diskutiert werden soll, will die BI Flagge zeigen.

„Immeo kann und wird uns nicht kündigen können."

Indessen, so Helmut Mattern, erhöhe Immeo den Druck auf die meist älteren Mieter. Er berichtete, dass ein Immeo-Vertreter mehreren Mieterinnen schon angekündigt habe, ab Mai/Juni würden die Bagger in der Zinkhüttensiedlung rollen. Die Mieterinnen müssten also die vorgelegten Auflösungsverträge unterschreiben. „Immeo kann und wird uns nicht kündigen können. Das ist Fakt“, rief Mattern aus.

Ferner schilderte er, was sich in der Siedlung tut: Im Bereich der Garagen habe man Bauzäune aufgestellt. Zudem habe Immeo in die Türen aller 40 freigezogenen und leer stehenden Wohnungen Spezialschlösser einbauen lassen.

Solidaritätsappell für die Mieter

Inzwischen haben 38 Institutionen und Privatpersonen einen Solidaritätsappell für die Mieter unterschrieben, darunter Alt-OB Josef Krings und der ehemalige NRW-Wohnungsbauminister Dr. Christoph Zöpel. Unterstützung erhielten die Mieter auch von Dr. Roland Günter. In einer Rede riet er den Bewohner der Siedlung, nicht nachzugeben und ihren Kampf fortzusetzen. „Hier geschieht Unrecht. Ich will Ihnen Mut zusprechen.“

Dass Solidarität und Zusammenhalt erfolgreich sei, habe der Kampf von Bürgerinitiativen gegen den Abriss von Arbeitersiedlungen im gesamten Ruhrgebiet in den 70er/80er Jahren bewiesen: „Zehn Jahre lang haben wir gegen den Abriss gefochten. Am Ende haben wir gewonnen: Wir retteten tausend Siedlungen für 500 000 Menschen.“

Immeo Wohnen weist Vorwürfe zurück

Walter Ziegler von Immeo Wohnen wies die Vorwürfe der Mieterinitiative im Gespräch mit der Redaktion am Freitag zurück: „Bisher haben wir bereits mit rund 170 Mietern Gespräche geführt. Fast alle fanden in einer sachlichen Atmosphäre statt. Wir versuchen, die bestmöglichen Wohnungen für unsere Mieter zu finden. Dabei berücksichtigen wir in jedem Fall auch die individuellen Wünsche.“

Immeo wisse selbst nicht, wann der Abriss beginne. Daher könne auch nicht mit dem Abbruch im Mai/Juni gedroht worden sein. Es sei sichergestellt, dass der Investor jeden Umzug bezahlen werde – entgegen anderslautenden Gerüchten. Die neuen Schlösser an den Türen der freien Wohnungen sieht Ziegler als ganz normale Maßnahme einer Wohnungsbaugesellschaft.

Marxloh