Lehrstunde über das Leben der Roma in Duisburg

Beim Aktionstag „Zuwanderer aus Südosteuropa“ im Sophie-Scholl-Berufskolleg tauschten Schüler und Zuwanderer ihr Wissen aus.
Beim Aktionstag „Zuwanderer aus Südosteuropa“ im Sophie-Scholl-Berufskolleg tauschten Schüler und Zuwanderer ihr Wissen aus.
Foto: WAZ FotoPool

Marxloh.  „Wer von euch hat einen Freund, der zu den neuen Zuwanderern aus Südosteuropa gehört?“ fragt Moderatorin Irma Lababidi die versammelten Schüler des Sophie-Scholl-Berufskollegs in der vollen Aula. Es melden sie gerade mal drei Schüler. Das Wissen über die „Neuen“ in Duisburg aus Rumänien und Bulgarien ist gering, nicht nur bei Schülern.

Aktionstag mit Experten

Mit einem Aktionstag und Experten rund um die Roma aus den Ländern der EU-Osterweiterung setzte sich das Berufskolleg dafür ein, dass selbst erarbeitetes Wissen an die Stelle aufgeschnappter Vorurteile tritt. In Workshops haben die Schüler sich am Vormittag über die Situation der Roma in ihren Heimatländern informiert. Baracken, Arbeitslosigkeit, Behördenwillkür, Bildungsnotstand und politische Repressalien bestimmten deren Alltag. Die Väter zogen weg, um irgendwo Arbeit zu finden.

Auch die Situation der Roma in Duisburg war Thema eines Workshops. Die Schüler erfuhren, dass die Familien nur vom Kindergeld leben, weil sie auf weitere Hilfen zunächst keinen Anspruch haben. Dass Duisburg einen hohen Gebäudeleerstand hat, genau wie Dortmund, zieht die Menschen an.

Sie leben oft unter katastrophalen Bedingungen und werden von skrupellosen Vermietern ausgenommen, unter denen sowohl Deutsche als auch Landsleute sind. 80 Prozent der Duisburger Zuwanderer hätten keine Berufsausbildung. Wegen ihrer schlechten Erfahrungen in den Heimatländern wendeten sie sich so gut wie nie um Hilfe an deutsche Behörden. Auch werden sie von ihrer Unwissenheit in Schach gehalten. Eine Impfaktion der Duisburger Behörden drohte zum Beispiel zu scheitern, weil unter den Roma das Gerücht umging, ihre Kinder sollten mit den Spritzen vergiftet werden.

„Die haben die gleichen Interessen“

Lebendig ging es im dritten Workshop zu. Dort waren die jungen Zuwanderer aus der Einsteigerklasse des Robert-Bosch-Kollegs zu Gast, um selbst über ihr Leben in Duisburg und ihre Wünsche und Vorstellungen zu erzählen. „Die lernen gerade Deutsch und möchten alle eine Ausbildung machen und Kosmetikerin werden, oder Erzieherin“, berichtete der Schüler Myles Miller aus dem Workshop. Alle seien nach Duisburg gekommen, weil sie hier schon Verwandte hätten. „Die haben die gleichen Interessen wie wir, wo man doch dachte, die sind ganz anders“, sagte er.

„So viel Unkenntnis und Misstrauen gibt es bei keinem anderen Thema“, sagte Marijo Terzic vom Kommunalen Integrationszentrum in der abschließenden Expertenrunde, „die Welt ist halt nicht in zwei, drei Sätzen erklärt“. Für interessierte Schüler hagelte es Einladungen von den Experten. „Kommt einfach vorbei und redet mit den Leuten, ihr könnt auch bei uns Praktikum machen“, sagte Eduard Pušic vom Verein ZOF.

 
 

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