Laut Soziologin ist Diskriminierung junger Musliminnen die Regel

Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning berichtete über die Stellung der Muslimischen Frau in der Deutschen Migrationsgesellschaft.
Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning berichtete über die Stellung der Muslimischen Frau in der Deutschen Migrationsgesellschaft.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

Duisburg.. „Ein ganz verzerrtes Bild von jungen muslimischer Frauen herrscht in Deutschland vor“, behauptete die Soziologin und Migrationspädagogin Ursula Boos-Nünning bei ihrem Vortrag in der Begegnungsstätte der Merkez Moschee am Internationalen Frauentag.

In den Medien höre man dauernd von „den armen Migrantinnen, die depressiv zwischen zwei Kulturen“ herumsäßen und sich nirgendwo zugehörig fühlten. „Und dann noch Zwangsverheiratung und Ehrenmorde – anscheinend die Lieblingsthemen unserer Familienministerin“, fand die ehemalige Rektorin der Uni Essen, „das ist nun wirklich nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Die muslimischen Mädchen zeigen in Befragungen eine ausgesprochen hohe Lebenszufriedenheit.“

Türkische Frauen sind familienorientierter

Wo die jungen Frauen mit Migrationshintergrund sich von ihren deutschen Altersgenossinnen unterscheiden und wo nicht, hat Boos-Nünning über viele Jahre untersucht. Noch sind die türkischen Mädchen familienorientierter und weniger individualistisch, aber die Familiensolidarität nimmt auch in den Migrantenfamilien ab. Etwa die Hälfte von ihnen sei religiös. Bei den Deutschen sind es nur noch knapp 25 Prozent, die bei Befragungen eine Bindung an ihre Religion angeben.

Im Verständnis der Geschlechterrollen gibt es kaum Unterschiede. Die Migrantinnen denken konservativ – und genau das tun auch die einheimisch-deutschen Mädchen. Hierzulande wollen deutsche und türkische Mütter die Kinder möglichst lange in der Familie bereuen. Die Berufstätigkeit ist in der dritten Generation der eingewanderten Frauen rückläufig.

Deutsche Gesellschaft kränkt Migranten in Medien

„Migrantenfamilien sind im Schnitt an der Bildung ihrer Kinder hoch interessiert, und zwar unabhängig davon, ob es sich um Jungen oder Mädchen handelt“, sagte Boos-Nünning. Das in der deutschen Öffentlichkeit so oft das Gegenteil behauptet würde, sei reine Dämonisierung und ein Angstprodukt. Boos-Nünning bescheinigte der deutschen Gesellschaft ein hohes Kränkungspotenzial gegenüber den jungen Migrantinnen, besonders denen mit Kopftuch. „Wir wurschteln uns da in eine ganz schwierige Situation“, sagte sie besorgt.

Sie sprach sich gegen das Kopftuchverbot für Lehrerinnen aus, sah aber bei der NRW-Landesregierung zur Zeit nicht die nötige Bereitschaft, in diese politische Auseinandersetzung einzutreten.

 
 

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