Klopf’ auf Holz . . . in Duisburg-Meiderich

v.l. Aurelia M. Reuter, Petra Reichrath Foto: Udo Milbret/WAZ FotoPool
v.l. Aurelia M. Reuter, Petra Reichrath Foto: Udo Milbret/WAZ FotoPool
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Duisburg-Meiderich.. „Rrrrrrtttt!“, „Kling, klang, klong!“, „Tock tock tock!“ “, „Tacka, tacka tacka!” „Bumm, bumm, bumm!“ Wer am Sonntag die Kulturwerkstatt Meiderich an der Bahnhofsstraße betrat, glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen. Wer die Augen schloss, glaubte sich beim Moerser New-Jazz Festival in den 70er Jahren, als der Jazz noch wirklich frei, wild und ungezügelt war, gerne auch mal auf Mülltonnen und Abfallcontainern gespielt wurde.

Die Musikerinnen Aurelia M. Reuter und Petra Reichrath schlugen in der Kulturwerkstatt mit Drumsticks, Schlagstöcken für Pauke, Xylofon und Marimba auf das Inventar, erzeugten so ein Klangerlebnis der besonderen Art, ein echtes Kunststück eben. Die Zuhörer waren schwer beeindruckt.

Wer kennt das nicht? Jedes Kind hat Freude daran, mit einem Stock an den Stäben eines Geländers entlang zu ratschen. Oder mit strahlenden Augen einer Kaffeetasse klare und helle „Ping-Pings“ mit dem Teelöffel zu entlocken. Und auf manchem Jazz-Frühschoppen ließen sich schon musikalisch Beschwingte zur perkussiven Unterstützung der Band hinreißen – indem sie Feuerzeuge oder Schlüssel im Takt an Biergläser schlugen. „Jedem Material kann man einen Klang entlocken“, warb Aurelia M. Reuter vor dem Konzert beim leicht skeptischen Publikum um Verständnis. „Irgendetwas ist immer in Schwingung, auch wenn wir es nicht hören. Und es gibt Einiges, was wir nicht hören!“ Die studierte Pianistin versprach: „Wir werden uns bemühen, Ihnen diesen Raum in kurzweiliger Form zu Gehör zu bringen.“

In der Tat: Bei dem ungewöhnlichen Konzert wurde das Gehör sensibilisiert und geschult, Klanggewohnheiten verändert und um neue ergänzt. Zunächst strichen die beiden Künstlerinnen mit Trommelstöcken über die Gitter der Heizungskörper „Rrrrrttt!“ Dann wendete sich das Ensemble dem metallenen Garderobenständer zu. Aurelia M. Reuter kündigte ein kurzes „Frühlingskonzert an: „Wenn man will, kann man jetzt die Vögel zwitschern hören…“ Aber nur mit viel Fantasie. Denn es hörte sich mehr nach Hochbetrieb in einer Schmiede an…

Die Holztreppe der Werkstatt verwandelte sich danach in ein Xylofon. Aurelia M. Reuter spielte ein rhythmisches „Treppchen-Motiv“. Tatsächlich gab jede Stufe einen anderen Klang von sich: „Tock, tock, tock!“, mal heller, mal dunkler. Derweil improvisierte Petra Reichrath frei auf Kühlschrank und Mülltonne: „Bumm, bumm, bumm!“ Anschließend zauberte Aurelia M. Reuter mit freiem Spiel auf den Kacheln der Küchenecke. „Tacka, tacka, tack!“ Virtuos machte sich dann Petra Reichrath, ebenfalls studierte Pianistin, auf dem Kram auf der Fensterbank zu schaffen: „Kling, Klang, Klong“, angereichert durch das reizvolle Knistern einer Chipstüte. Dann war die Reihe wieder an ihrer Kollegin. Die öffnete den Geschirrschrank, brachte dann Sekt-, Bier- und Weingläser eindrucksvoll zum Klingen: „Bing, Bing, Bing!“. Es folgten „die lustigen Kaffeetassen“…

Zum Höhepunkt des Konzerts mit Gegenständen des alltäglichen Bedarfs intonierten die beiden Musikerinnen mit Paukenschlägern dumpfe Klänge auf der „geheimnisvollen schwarzen Arbeitsplatte“ der Kulturwerkstatt. „Bomm, bomm, bomm!“ schepperte es da blechern durch den Raum. Und dann das allerletzte Stück: „Ein Duo für Kaffeemaschine und Monatsplaner: „Tack, tacka, tack.“

 
 

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