In Duisburg-Walsum lebt der Mann mit den zwei Herzen

Gregor Herberhold
Wolfgang Friede mit seiner Frau Margot.
Wolfgang Friede mit seiner Frau Margot.
Foto: Funke Foto Services
Vor fünf Jahren musste sich Wolfgang Friede einer Herzoperation unterziehen. Damals setzten ihm die Ärzte ein Kunstherz ein. Damit lässt sich gut leben.

Röttgersbach/Walsum.  Der 17. Februar ist für den Wahl-Walsumer Wolfgang Friede ein Datum, das er nie vergessen wird: Vor fünf Jahren implantierten ihm Ärzte des Niederrhein-Klinikums an der Fahrner Straße genau an dem Tag ein „Kunstherz“ – und retteten damit sein Leben. Am Mittwoch feierte der frühere Bergmann mit den Doktoren und Krankenschwestern seinen „fünften Geburtstag“ – bei Kaffee und Kuchen. Auch ein Geschenk hatte das Klinik-Team parat: Ein Modell der Pumpe, die in seiner Brust dafür sorgt, dass das Blut der linken Herzhälfte in die Hauptschlagader befördert wird.

Wolfgang Friede ist eine Frohnatur. Er lacht gerne, nimmt das Schicksal an. Als man ihn vor fünf Jahren, nach bereits zwei früheren Herz-Operationen, vor die Wahl stellte, Pumpe oder nur noch geringe Überlebenschancen, da musste er nicht lange überlegen: „Ich will leben“, sagte er sich und dann den Ärzten – und stimmte der OP zu. Nur wenige Wochen später war er wieder zu Hause – und ist glücklich, dieser Behandlung zugestimmt zu haben. Aufgrund seiner Vorerkrankung scheidet eine Herztransplantation aus. Deshalb kam nur diese Dauertherapie in Frage. „Damit kann man ewig leben“, sagt Professor Dr. Reiner Körfer, Leiter der Abteilung Kunstherzversorgung im Niederrhein-Klinikum.

Im Prinzip kann der heute 65-jährige Wolfgang Friede damit ein ganz normales Leben führen, mit zwei Einschränkungen: Er darf keine Vollbäder nehmen und nicht schwimmen. Weil Versorgungsleitungen aus der Haut kommen, die zu einem Akku- und Steuerungsgerät führen, das in einer Umhängetasche stets „am Mann“ sein muss. Bakterien im Wasser könnten zu Infektionen führen, die es zu verhindern gilt. „Ich gehe kein Risiko ein“, sagt der ehemalige Rettungsschwimmer. Selbst aufs Duschen verzichtet er und stellt fest: Gründliches Waschen funktioniert mit Hilfe seiner Frau genauso gut. Und ist risikolos.

Urlaub an der Nordsee

Dass er mit dem Kunstherzen so unproblematisch lebt, führt der gebürtige Finsterwalder (Brandenburg), der im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern nach Duisburg kam, auf seine Einstellung zurück: „Man muss das annehmen und einen Schalter im Kopf umlegen“, sagt er – und lacht. „Meine Herzpumpe ist ein Teil von mir geworden. Sie rettet mir jeden Tag das Leben.“

Seine Frau Margot (62) kennt er von Kindheitstagen an. Sie ist seine große Stütze – und so sagt er, als er das „Geburtstagszertifikat“ vom Krankenhausteam bekommt, ohne eine Sekunde nachzudenken: „Schatz, daran hast Du den größten Anteil.“ Und drückt ihr ein Küsschen auf die Wange. Die beiden waren Nachbarkinder, gingen allerdings in getrennte Schulen.

Als Bergmann arbeitete Wolfgang Friede lange auf dem Walsumer Pütt unter Tage. Später war er in der Ausbildung der Zeche tätig – über Tage – bis ihn Herzprobleme zwangen, die Berufsunfähigkeitsrente zu beantragen. Als Rentner genießt er die Ruhe und löst gerne Rätsel. Außerdem reist er mit seiner Frau immer wieder an die deutsche Nordseeküste.

Einen Teil seiner Zeit stellt er anderen Herzpatienten zur Verfügung: Er berät sie, wenn sie unsicher sind, ob sie sich auch für eine solche Pumpe entscheiden sollen oder nicht.