Im Beeck gibt es Engel

Sabine Merkelt-Rahm
Jutta Flaßhove vor dem Oberhof in Beeck. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Jutta Flaßhove vor dem Oberhof in Beeck. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Die Foto-Ausstellung von Jutta Flaßhove im Oberhof beschäftigt sich mit Friedhofs-Skulpturen der Himmelsboten auf mehreren Kontinenten.

Beeck.  „Ich suche eigentlich immer nach Spuren von Menschen, die schon lange vergangen sind“, sagt Jutta Flaßhove.

Für ihre Fotoausstellung „Engel – Gesichter der Ewigkeit“, hat sie folgerichtig einen geschichtsträchtigen Ort gewählt.

Der Beecker Oberhof ist eines der ältesten Häuser im Duisburger Norden und seine dunklen Holzdecken und roten Steinfliesenböden geben einen schönen Rahmen für die kleine Fotoauswahl von 28 Motiven, die Flaßhove aus ihren vielen Reisebildern zusammengestellt hat. Die Fotos hängen auf dem Flur und im Café des Bürgerzentrums.

Dabei suchte die Bibliothekarin ursprünglich gar keine Engel, sondern Vorfahren, wenn sie über Friedhöfe spazierte. Ahnenforschung und Reisen sind zwei ihrer Hobbies. Irgendwann entdeckte sie, wie vielfältig und unterschiedlich die Engelstatuen auf den Friedhöfen waren und begann, sie zu fotografieren.

Da ist der beinahe stoische, strenge Engel mit dem Blick zum Himmel vom Kölner Melatenfriedhof, der verzweifelt über das Grab geworfene Engel vom Cimitero Monumentale in Mailand und der freche Mädchenengel mit Tortenspitzenflügeln, der eher wie eine Fee aussieht und praktischerweise eine Vogeltränke in der Hand hält. Der steht nicht etwa in Irland, sondern auf einem Friedhof im französisch geprägten Baton Rouge in Louisiana/USA. „In Irland gibt es diese Feen-Engel aber auch, oft sind die Gräber da drum herum mit farbigen Glassteinen bestreut“, sagt Flaßhove. Auch viele rundliche Kleinkind-Engel sind ihr schon vor die Linse gekommen. Diese oft sehr kleinformatigen Putten haben in fast allen Ländern Konjunktur.

„So ein bisschen wie Gartenzwerge, nur auf dem Friedhof, oder?“, fragt Manfred Koschabek vom Netzwerk Oberhof. Aber den Ausdruck „Kitsch“ lässt Jutta Flaßhove nicht gelten. „Wir haben uns mit Ausstellungsbesuchern auf den Begriff „niedlich“ geeinigt“, sagt sie und lächelt. Mag auch nicht jedes künstlerische Konzept jeden gleich ansprechen, die Fotografin vergisst nie, dass sich echte Trauer hier ihren steinernen Ausdruck gesucht hat. Vor den Gefühlen der Hinterbliebenen hat sie Respekt.

„Friedhöfe sind für mich schöne Orte der Stille und der Erinnerung“, sagt sie. Und musste Eintritt zahlen, um auf dem Londoner Highgate-Friedhof fotografieren zu dürfen. Überraschend ist für sie noch immer, wie sinnlich manche Engel aussehen. Sie zeigt auf eins ihrer Fotos: „Der hier trägt nur ein hauchdünnes Tuch. Schauen sie in welcher Pose er das vor der Brust zusammenrafft, sowas erwartet man doch nicht auf einem Friedhof, oder?“