Giftiger Klärschlamm lagert immer noch in Duisburg-Fahrn

Gregor Herberhold
Das Klärwerk Kleine Emscher. Dort lagern immer noch 180.000 Kubikmeter Schlamm, teils mit Schwermetallen und anderen Stoffen belastet.
Das Klärwerk Kleine Emscher. Dort lagern immer noch 180.000 Kubikmeter Schlamm, teils mit Schwermetallen und anderen Stoffen belastet.
Foto: Hans Blossey
Vor knapp einem Jahr stellte das Verwaltungsgericht Düsseldorf klar, dass belasteter Klärschlamm entsorgt werden muss. Doch in Fahrn tut sich nichts.

Duisburg-Fahrn. Die Pläne waren hochtrabend: Vor nunmehr sieben Jahren verkündete die Emschergenossenschaft (EG), sie wolle auf dem Gelände der 1999 geschlossenen Kläranlage Kleine Emscher einen Wohnpark mit Freizeitanlage errichten. Passiert ist nichts. Denn seit Jahr und Tag streiten Stadt und Politik mit der EG darüber, ob der vorhandene Klärschlamm entsorgt werden muss oder liegenbleiben darf.

Die Emschergenossenschaft vertritt die Meinung, der Schlamm sei nicht wirklich umweltschädlich, könne deshalb auf dem Gelände verbleiben und als „Landschaftsbauwerk“, sprich Halde, auf der Fläche zwischen Nord- und Prinz-Eugen-Straße sowie der Kleinen Emscher endgelagert werden.

Das sehen Stadt und Politik bekanntlich ganz anders – sie verlangen die Entsorgung des teils mit Schwermetallen und anderen Stoffen belasteten Schlamms. In ihrer Meinung unterstützt werden die Duisburger vom Verwaltungsgericht Düsseldorf: Das hielt Anfang dieses Jahres fest, dass die EG die Klärstoffe ordnungsgemäß entsorgen müsse. Punkt. Eine Berufung wurde nicht zugelassen. Somit wäre die Emschergenossenschaft in der Pflicht, den Schlamm abzutransportieren und in einer speziellen Anlage verbrennen zu lassen.

Kosten von 25 Millionen Euro

Die denkt aber gar nicht daran. Scheut die Kosten, die mit rund 25 Millionen Euro veranschlagt werden. Und legte gegen den Bescheid des Verwaltungsgerichts Beschwerde ein. Man will nicht akzeptieren, dass keine weiteren Rechtsmittel möglich sein sollen.

Derzeit ist unklar, was aus der Beschwerde wird. Damit muss sich das Oberverwaltungsgericht befassen. Stadt und Emschergenossenschaft gehen davon aus, dass „frühestens Mitte 2015 eine Entscheidung fällt“.

So mancher in der Stadt hat inzwischen den Eindruck gewonnen, dass die Emschergenossenschaft das Problem aussitzen will, oder anders gesagt: Hofft, dass buchstäblich Gras über die Sache wächst. Tatsächlich sind manche Klärstoffe, die sich noch in den alten Becken befinden, inzwischen so weit auf natürlichem Wege umgewandelt worden, dass sie wie Erde anzusehen seien.

Politik verlangt Abtransport

Ein Sprecher der EG verwies im Gespräch mit unserer Redaktion jetzt noch einmal darauf, dass die Entsorgungskosten im Zweifelsfalle von allen Bürgern im Emscherraum (zwischen Duisburg und Dortmund) zu zahlen seien. Deshalb drängt die Körperschaft des öffentlichen Rechts auf Deponierung und Abdichtung der undicht gewordenen Klärbecken, so dass keine belasteten Stoffe mehr entweichen.

Die Politik in Walsum aber hat sich klar für eine Entsorgung ausgesprochen. Altlasten gebe es genug in der Stadt.