Geplantes islamisches Zentrum in Walsum bleibt umstritten

David Huth

Duisburg-Walsum.  Der zweite Bauantrag ist gestellt, aber die Bedenken der Bürger bleiben: Das geplante islamische Kulturzentrum in Walsum ist nach wie vor umstritten. Vor allem die Größe des Gebäudekomplexes und die Wochenendbetreuung sind den Walsumern ein Dorn im Auge.

Der zweite Bauantrag ist gestellt, aber die Bedenken der Bürger bleiben. Das geplante Kulturzentrum an der Römerstraße in Walsum ist nach wie vor umstritten.

Der örtliche Moscheeverein, der dem Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ) angehört, hat mit seinem ehrgeizigen Bauvorhaben keinen leichten Stand.

Sichtlich ist die islamische Gemeinde bemüht, die Menschen im Stadtteil von dem Projekt zu überzeugen. „Wir haben viele Dinge gemacht, um uns zu öffnen und bekannt zu machen“, merkt Fatih Gügen, Pressesprecher des Moscheevereins, zu recht an. Das zeigte auch die gut gemeinte Informationsveranstaltung am Wochenende. Man ging einen Schritt auf die Walsumer zu, um mit Offenheit und Transparenz für das religiöse Zentrum zu werben. Allerdings blieb die Resonanz der Bürger verschwindend gering. Nur wenige Menschen, die nicht dem Moscheeverein angehören, kamen, um sich von den VIKZ-Vertretern überzeugeninformieren zu lassen. Und diejenigen, die kamen, zeigten sich außerordentlich skeptisch.

Gründe für die Vorbehalte gibt es auch zur Genüge. Vor allem die Größe des Gebäudekomplexes und die Wochenendbetreuung von Jugendlichen mit Übernachtung sind den Walsumern ein Dorn im Auge.

Mit 4245,34 Quadratmetern wäre das Kulturzentrum in Walsum sogar größer als die Moschee in Marxloh. „Warum ausgerechnet diese Größenordnung?“, fragte eine Bürgerin kritisch nach. Die Antwort kam prompt: „Unser Gemeindehaus deckt unsere Bedürfnisse nicht mehr“, erklärte der Pressesprecher. Und wer das derzeitige Gemeindehaus an der Römerstraße kennt, der wird diesem Argument durchaus recht geben. Das kleine umfunktionierte Wohnhaus bietet nicht genug Platz für die rund 1000 Mitglieder des Moscheevereins. Ob es unbedingt über 4000 Quadratmeter sein müssen, ist eine andere Frage. Festzustellen ist aber, dass die neuen Pläne um knapp die Hälfte der Fläche reduziert wurden. Ursprünglich waren 8000 Quadratmeter vorgesehen. Auf das Schülerwohnheim und großzügige Ladenlokale wurde gänzlich verzichtet. Die Gewerbebereich ist nur noch mit ca. 122 Quadratmetern veranschlagt.

Auf einem anderen Blatt steht dagegen die Wochenendbetreuung. „Schlafräume sind in Deutschland untypisch“, prangerten die Walsumer an. Mit den pädagogischen Erfolgen, den allgemeinen schulischen Defiziten von Migrantenkindern und der Betonung der Wichtigkeit einer religiösen Erziehung versuchten die VIKZ-Vertreter die Bedenken zu zerstreuen. „Eltern mit Migrationshintergrund können sich nur schwer und schlecht um ihre Kinder kümmern“, verteidigte Mustafa Imal, Präsident des VIKZ, die Bildungsarbeit des Verbandes.

Aber die Kritik an der Übernachtbetreuung ist nicht aus der Luft gegriffen. 2008 wurde bereits ein VIKZ-Heim in Waltrop im Ruhrgebiet von der Polizei geschlossen. Dort sei illegal internatsähnlich unterrichtet worden, teilte das zuständige Landesjugendamt idamals mit. Die zuständige Moscheegemeinde habe nur versäumt, die nötigen Anträge zu stellen, begründet der VIKZ das Fehlverhalten. „Wir haben versäumt einzuholen, ob alle Einrichtungen diese Genehmigung hatten“, räumt der Präsident des Verbandes gegenüber der Redaktion ein.

Die Sorgen der Walsumer, dass die demonstrierte Offenheit der Moscheegemeinde nur ein Lippenbekenntnis ist, kann nicht so einfach aus der Welt geschafft werden. Wenn der VIKZ das Projekt mit dem Segen der Bevölkerung umsetzten will, dann ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. „Wir wollen auf jeden Fall die Zustimmung der Walsumer Bevölkerung“, betonte nochmals Fatih Gügen.