Fliegende Wölfe im Duisburger Norden gesichtet

Ein Bienenwolf im Anflug
Ein Bienenwolf im Anflug
Foto: Randolph Kricke
In dieser Folge unserer kleinen Reihe über Wildtiere in der Stadt stellen wir einen fliegenden Wolf vor, den Bienenwolf. Er lebt gerne unter Gehwegplatten.

Hamborn. „Wir leben unter Wölfen.“ Mit schelmischem Unterton sagt Dr. Randolph Kricke, Artenschutzbeauftragter der Stadt Duisburg, diese vier Worte. Richtig ist zwar, dass es Wölfe im Duisburger Norden gibt, und zwar in mitunter großen Verbänden. Aber: Es handelt sich um winzige Tiere, die zudem völlig anders, als der Name vermuten lässt, keine vierbeinigen, hundeähnlichen Geschöpfe sind. Vielmehr handelt es sich um Fluginsekten, die es auf Bienen abgesehen haben, und zwar ausschließlich auf die Honigsammler. Deshalb heißt diese Art Bienenwolf. Das bis zu 18 Millimeter große, schwarz-gelb-gestreifte Insekt gehört zur Familie der Grabwespen.

„Uns Menschen wird diese Wespe nicht gefährlich“, weiß Kricke. „Sie sticht nicht.“ Ihr Gift werde ausschließlich zur Betäubung der Honigbiene eingesetzt. Die benötigt diese Wespenart, um den in unterirdischen Höhlen und Röhren aufwachsenden Nachwuchs ernähren zu können.

Jüngst war der städtische Biologe zur Hamborner Novalisstraße gerufen worden. Dort, aber auch an einer Straße in Walsum hatten Anwohner festgestellt, dass immer wieder Sandhäufchen auf den Gehwegplatten auftauchen. Nicht trichterförmig, wie die von Ameisen, sondern eher wie in eine Richtung herausgeschleuderte Fontänen. „Ein klarer Hinweis auf den Bienenwolf“, sagt Kricke, der den Höhlenauswurf mit den Spuren von Kaninchen vergleicht, wenn die ihre Löcher graben.

Keine wackeligen Bodenplatten

„Ich höre immer wieder Klagen: Das sieht aber nicht schön aus“, sagt der Fachmann. Da will er gar nicht widersprechen. Aber: Da die Wespen keinen wirklichen Schaden anrichteten – außer bei den Imkern, und da auch nur in geringem Maße – und Ende August schon wieder weg seien, sollte man sie akzeptieren, findet er. Seine Bitte an die Anwohner: „Den Sand nicht in die Fugen zwischen den Gehwegplatten zurückfegen.“ Zum einen, weil die Bienenwölfe ihn ohnehin wieder hinausbefördern würden. Zum anderen, um die Insekten nicht unnötig zu stören. „Es ist doch nur ein Schönheitsmakel.“

Wacklige Bodenplatten müssten die Bürger auch nicht befürchten, die Sandmenge, die ausgegraben wird, sei zu gering. Außerdem verschließen sich die Röhren, wenn der Nachwuchs ausgeflogen ist, wieder von alleine.

Durch kräftigen Regen etwa.

Unter Gehwegplatten fühlen sich die Insekten deshalb wohl, weil die in der Regel in Sand liegen. Krickes Empfehlung an die Glücklichen, die solche Tiere vor der Haustür entdecken: „Schauen Sie sich die Wespen mal ganz genau aus nächster Nähe an.“ Einfacher lässt sich das Verhalten von Wildtieren kaum studieren.

 

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