Erstes Haus am Pollmanneck ist Baudenkmal

Die Politik hat zugestimmt. Dieses Haus an der Kaiser-Wilhelm-Straße 309 soll erhalten werden.
Die Politik hat zugestimmt. Dieses Haus an der Kaiser-Wilhelm-Straße 309 soll erhalten werden.
Foto: Funke Foto Services

Marxloh..  Im Januar sollte es noch abgerissen werden, das Eckhaus Kaiser-Wilhelm-Straße 309 am Pollmanneck. Ein Geschäftsmann wollte es durch ei­nen viergeschossigen Neubau ersetzen. Es handelt sich um ei­nes der vier Eckhäuser an der bekannten Kreuzung. Aber dann beauftragte die Bezirksvertretung Hamborn die Stadtverwaltung damit, den Denkmalwert des Gebäudes zu überprüfen. Ergebnis: Das Haus ist denkmalwürdig, muss deshalb unter Schutz gestellt werden. So hat es die Bezirksvertretung auch beschlossen.

„Erhalt und Nutzung des Denkmals Kaiser-Wilhelm-Straße 309 liegen im öffentlichen Interesse“, heißt es in der Expertise der Denkmalschützer. Das Gebäude sei Teil eines Ensembles repräsentativer Ge­schäftsgebäude, die in diesem wichtigen Kreuzungsbereich zugleich die Kernbebauung des Stadtteils in der Phase um 1900 ausgemacht hätten. Ende der 1920er Jahre sei lediglich eines der vier Eckhäuser durch einen im Stil ähnlichen Neubau ersetzt worden.

„Im Hinblick auf den Typus der doppelgeschossigen Geschäftsräume wurde die Bebauung am Pollmanneck prägend in Marxloh“, schreiben die Experten. In der Folge hätten sich von dort aus die Kaiser-Wilhelm-Straße in Richtung Westen und die Weseler Straße als Hauptgeschäftsstraßen etabliert. Es handele sich um die typische Warenhausarchitektur jener aufstrebenden Zeit, wie auch beim Gegenüber Weseler Straße 13.

Erst in jüngerer Zeit seien die Fassaden aufwändig restauriert worden, um das Ortsbild aufzuwerten. Daher liege es erst recht im öffentlichen Interesse, das Eckhaus als ein sprechendes Zeugnis für die Erstbebauung dieser städtebaulich wichtigen Kreuzung zu erhalten. Sie war übrigens um 1950 eine der verkehrsreichsten in Deutschland. „Ihre mehrgeschossige Bebauung verkörpert bis heute das maßstabgebende Grundmuster, welches das Ortsbild von Marxloh von Beginn seiner Stadtwerdung an bestimmte“, schreiben die Denkmalschützer weiter. Kennzeichen dafür seien die Ausformung der Straßenecken mit Türm­chen, Rundungen, Schrägen oder Rücksprüngen. Dieses Muster sei bis in die Nachkriegszeit maßgebend gewesen.

Nur Teile sind geschützt

Wegen zahlreicher innerer Umbauten stehen aber nur Teile des Gebäudes unter Denkmalschutz. So sind die an der Straßenkreuzung liegenden Außenwände mit den großflächigen Schaufenstern geschützt, ferner die im Inneren erhaltenen Eisenstützen, der Hauseingang mit Flur und die Innentreppe mit dem schmiedeeisernen Geländer. Nicht zum Denkmal gehört das Nachbargebäude Kaiser-Wilhelm-Straße 307. Es teilt sich mit dem Denkmal ein Treppenhaus.

Das Haus des Gustav Marburger

Das unter Denkmalschutz gestellte Haus Kaiser-Wilhelm-Straße 309 ließ der jüdische Kaufmann Gustav Marburger (geboren 1861) im Jahre 1900 bauen. Er war mit seiner Familie aus Grevenbroich zugezogen und betrieb dort einen Handel mit Mode und Schmuck.

Die Lage des Hauses war ausgezeichnet. Die Kaiser-Wilhelm-Straße war die Hauptzufahrtsstraße zum damaligen Hüttenwerk der Gewerkschaft Deutscher Kaiser, später August-Thyssen-Hütte. Alle drei Straßenzüge wurden mit Straßenbahnen erschlossen.

Es handelte sich um die zentrale Haltestelle in Marxloh. Wenige hundert Meter südlich befand sich die Hauptverwaltung der Grillo-Werke. Beide Werke trugen den wirtschaftlichen Aufschwung Marxlohs.

1907 ließ Marburger auch das Nachbarhaus Kaiser-Wilhelm-Straße 307 errichten. Seine Witwe verkaufte beide Häuser 1939. Sie überstanden den Zweiten Weltkrieg unbeschadet, gelangten danach in städtischen Besitz. 1966 erwarb sie das Krefelder Textilhaus Greven und ließ sie mehrfach umbauen.

Mit einer Schmiede fing es an

Gustav Marburger stand von 1914 bis 1929 der jüdischen Gemeinde Hamborn vor. Er starb 1936 auf einer Reise. Seine sechs Jahre jüngere Frau Johanne kam 1944 im Konzentrationslager Bergen-Belsen um. Auch ihre Tochter Margarete und deren Mann Alfred Weihl überlebten das KZ nicht.

Den Anfang der Bebauung am Pollmanneck machte 1877 eine Schmiede. Sie wurde an der Kreuzung zweier Überlandstraßen 1886 zur Gaststätte der Familie Pollmann umgebaut. Später gab sie der Kreuzung als Geschäftshaus Poll­mann­eck ihren Namen. 1929 wurde das Gebäude durch einen Neubau ersetzt. Es hat heute die Hausnummern Weseler Straße 18/Kaiser-Friedrich-Straße 5.

Dazu gesellte sich 1899 auf der gegenüberliegenden Seite die Gaststätte Landers, das Eckhaus Weseler Straße 18. 1901 kam noch das Eckhaus Weseler Straße 13 mit rundem Ecktürmchen hinzu. Dabei handelte es sich um das Möbelgeschäft eines Mitglieds der Familie Pollmann.

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